Die perfekte Rille

Letzter Teil der verbalen Endlosschlaufe – und ein Ausweg.

Steven Schneider: Schreiber ist eine tolerante, spannende, humorvolle, fröhliche Frau. Aber wie eine gute alte Vinylplatte, bei der die Nadel zuweilen in einer Rille stecken bleibt, gibts auch bei ihr Töne, die sich wiederholen. Schlimmer noch, sie macht mich mit ihren ewig gleichen An- und Vorwürfen klein, so, als wäre ich ein Kind oder ein Schussel.
Die Top 10 der unangenehmen Art: 1. Hast du dein Handy dabei? (geht auch mit Portemonnaie und Büroschlüssel) 2. Hast du mir zugehört? 3. Ziehst du bitte die Schuhe aus? 4. Wieso trampelst du wie ein Elefant durchs Haus? 5. So piano, piano sollten wir langsam mal rasch gehen! 6. Du könntest ruhig auch mal dran denken! 7. Warum fragst du nicht einfach nach dem Weg? 8. Kannst nicht du mal wieder mit dem Hund spazieren gehen? 9. Du musst die Zähne der Kinder nachputzen! 10. Ich glaube, ich schlafe jetzt einfach, ich kann nicht mehr, bin für alles einfach viel zu müde.
Als ich ihr die Liste vorlese, lächelt sie milde: «Dreh das Ganze um. Löse dich von den alten Mustern und lege neue Spuren in deinem Gehirn. Also: statt negative Sätze von mir abzuspeichern, nimm die positiven.» Natürlich. Bloss, wo genau sind die auf der Platte?

Sybil Schreiber: Ich erkläre Schneider meine Sicht zum Thema Wiederholungen: «Diese Alltagsmantras lassen uns chronisch gleich reagieren und zermürben jede gute Energie.»
Schneider guckt irritiert. Ich fahre fort: «Wir haben im Gehirn Spuren. So etwas wie Fahrrillen. In die schlittern wir immer wieder rein. Nun geht es darum, neue Wege zu pfaden.» Schneider brummt: «Mein Gehirn ist doch kein Acker.»
Ich überhöre den spöttischen Ton und behalte für mich, dass das keineswegs meine Erkenntnis ist, sondern ein Lehrsatz meines Antistress- Seminars. Sonst nennt er mich noch esoterisch oder kompliziert, wahrscheinlich sogar beides. Stattdessen lege ich mich ins Zeug: «Wie wärs, wenn wir Sätze suchen, die uns gut tun?»
Er runzelt die Stirn. «Diesen zum Beispiel: ‹Du bringst mich zum Lachen.› Oder: ‹Dein Curry schmeckt köstlich›. Ach, und den hier: ‹Du singst super, deine Haut ist sanft, du tust mir gut, du überraschst mich stets aufs Neue, ich bekomme nicht genug von dir.› »
Schneider lächelt. Er ist schon entspannter und sagt: «Ich weiss, ich wiederhole mich, aber es ist nun mal so: Du bist und bleibst für mich meine Traumfrau.» Was für ein gelungener Satz! Den darf er so oft wiederholen, wie er will.

(Coopzeitung Nr. 52/2011)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 23.12.2011, 14:52 Uhr

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