Kein leichtes Fazit

Sein Überschwang wiegt für sie schwer.

Sybil Schreiber: Geht das Jahr zu Ende, überlegt sich Schneider jeweils, unter welches Motto wir das neue Jahr stellen.
Das macht er meistens ganz gut. Und nach einem arbeitsintensiven und traurigen 2010 war sein Vorschlag für 2011, alles mit «Leichtigkeit» anzugehen. Wie mir damals luftig ums Herz wurde! Das Leben geniessen, viel Zeit mit den Kindern verbringen, weniger gestresst sein, die Natur innig erleben, nicht alles bierernst nehmen. Das waren die Bilder der Leichtigkeit in meinem Kopf. Einige von ihnen haben wir geschafft.
Aber im grossen Ganzen sind wir komplett an unserem Leitsatz vorbeigaloppiert: Schneider vorneweg und ich mit Ach und Krach hinterher. Dauernd setzte er Ideen um: einen innovativen Fotografiekurs durchführen, im Geschichtenatelier Lesungen abhalten, Reportagen aus der Gegend schreiben, das Hirschli bekannt machen, Journalisten einladen.
Seine Ideen poppten wie Popcorn aus seinem Kopf heraus. Und ich fragte mich nervös: Wie sollen wir all das umsetzen? Wann? Nebst all dem anderen, was man Alltag nennt? Kein Wunder, griff ich auf der vergeblichen Suche nach Leichtigkeit immer öfter zur Schokolade – was mir zu allem Übel das Jahr im doppelten Sinn erschwerte!

Steven Schneider: Mist! Grossspurig habe ich vor einem Jahr von mehr Leichtigkeit im Leben geschwafelt, Schreiber damals mit meinem Satz «Wir machen uns ein leichtes Jahr» beglückt und sogar selber daran geglaubt.
Und jetzt?
Nachdem 2011 vergangen ist, sagt Schreiber zu mir: «Du siehst fertig aus. Richtig erschöpft.» Ich fühle mich in der Tat müde und muss annehmen, dass sie richtig liegt. Denn ich habe das Leben im letzten Jahr überhaupt nicht leicht genommen, sondern zettelte ein Projekt nach dem anderen an und überging leichtsinnig unseren Leitspruch. Selbstkritik ist angezeigt: «War nicht so mit Leichtigkeit, was?»
Schreiber schüttelt den Kopf. «Tut mir leid. Irgendwie zog eins das andere nach sich.»
«Du hast pausenlos Druck gemacht.»
«Schon, aber wir haben ja auch einiges erlebt dabei, oder?»
Diesmal nickt Schreiber. Ich schöpfe Hoffnung: «Na, war doch nicht so schlecht, oder?» «Nein, aber zu viel. Für mich war das schwer.»
Schreiber wirkt nun auch auf einmal ein wenig erschöpft. Ich lenke ein und sage: «Du hast recht. Also, was ist dein Vorschlag für unser Leitmotiv 2012?»
Schreiber denkt nach, dann lächelt sie. Was kommt jetzt? «Sich an Leitsätze halten.»

(Coopzeitung Nr. 01/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 02.01.2012, 11:02 Uhr

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