Im Herbst des Lebens: die letzten schönen Tage.

Röbelis Abschied

Der Dackel von Chantal Ritter ist zwar schon ein älterer Herr, aber trotzdem rüstig und fröhlich. Doch nun ist Röbeli ernsthaft erkrankt. Wenigstens kann er seine letzten Tage noch so richtig geniessen.

Mein kleiner Dackel begleitet mich schon seit über einem Jahr. Doch vor ein paar Monaten fiel mir eine starke Empfindlichkeit auf seiner linken Gesichtsseite auf. Ich vermutete, dass seine Zähne wieder Probleme machten. Bei einem Alter von 14 Jahren ist das nichts Ungewöhnliches. Ein Röntgenbild zeigte eine Veränderung im Bereich einer Zahnwurzel. Da seine Blutwerte in Ordnung waren, beschloss ich, trotz seiner Herzbeschwerden eine Narkose zu machen und dem alten Herrn einen Zahn zu ziehen.

Der böse Zahn war weg und die Schwellung verschwand. Röbeli erholte sich sehr gut von der Narkose. Unser Verwöhnprogramm brachte ihn bald wieder in den normalen Alltag. Er jagte wieder Mäuse auf der Mäusewiese und frass Mist auf den Feldern. Nach wenigen Wochen aber kehrten die Schwellung und der Schmerz zurück. Wieder einmal musste der Kleine sich röntgen lassen. Auf dem neuen Bild sah man aber nicht mehr als auf dem letzten. Den Medikamenten zum Trotz wurde die Beule an seinem Oberkiefer immer dicker.

Als er eine richtige «Medici-Nase» hatte, musste ich schweren Herzens eine Tumor-Diagnostik machen. Die Antwort vom Onkologie-Center kam schnell: leider ein böser Tumor. Bestrahlen und Chemotherapie würden nur kurze Zeit helfen. Wir besprachen Röbelis Schicksal in der Familie. Aufgrund seines hohen Alters und der bestehenden Herzbeschwerden würden wir keine weiteren Behandlungen mehr machen.

Wir versorgen ihn palliativ, das heisst, Röbeli bekommt starke Schmerzmittel und täglich eine seiner Lieblingswürste. Auch an Streicheleinheiten und Zuwendung mangelt es nicht, obwohl er sowieso immer genug davon erhielt. Und er geniesst sein Leben: Der kleine Hund hat am Beginn der Heizperiode ein neues Nest entdeckt. Er schleppte das Sitzkissen der Tochter unter die Eckbank zur Heizung und richtete sich dort unten eine warme Hundehütte ein. Diese Ecke gehört nun ihm, die Tochter muss ohne Sitzkissen essen.

Überall sind wir nachsichtig geworden. Jeden Morgen lasse ich ihn von der Leine und schaue zu, wie er wegläuft. Geradewegs zur Mäusewiese. Dann gehts zum Mistfeld. Auch der Rucksack, in dem er jeweils mit uns Velo fährt, ist noch in Gebrauch, allerdings selten bei dieser Kälte. Wir vermissen ihn jetzt schon, obwohl er immer noch munter und fröhlich herumrennt.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Freitag 06.01.2012, 13:58 Uhr

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