Liebesbotschaften

Sie denkt immer dran – was ihm zu denken gibt.

Sybil Schreiber: Schneider fährt beruflich nach Norwegen. Es ist eine Reise in den schönsten Schneewinter, aber auch ins Dunkle. Denn oberhalb des Polarkreises sind die Tage kurz und die eiskalten Nächte einsam. Ich will ihm deshalb Wärme und liebe Gedanken mit auf die Reise geben. Während er sich von den Kindern verabschiedet, verstecke ich meine Liebesbotschaften und Sehnsüchteleien in seinem Gepäck: Eine Schachtel mit selbst gemachten schwedischen Hafer-Cookies schummle ich ins Necessaire, einen dicken isländischen Krimi aus unserer Buchhandlung wickle ich ins Handtuch, und in das Flugticket-Couvert schiebe ich einige Fotos von uns.
Es ist doch so: Wenn der andere verreist, merkt man erst, wie wichtig er einem ist.
Schneider ist nun weg und ich bin neugierig, welche Nachricht er mir hinterlassen hat.
Seine Liebesbriefchen sind zwar eher kurz, aber umso berührender.
Ich bekomme eigentlich nur welche, wenn er wegfährt. Also nicht so oft. Umso mehr freue ich mich. Als ich abends ins Bett schlüpfe, das leer und kalt ist, kuschle ich mich unter die Decke und greife mit der Hand sachte unters Kopfkissen, dem Stammplatz seiner Liebesbriefe an mich.
Oh! Leer und kalt.

Steven Schneider: Schreiber ist sehr aufmerksam. Sie bedankt sich jeweils anderntags bei Freunden für Einladungen und sie ist Meisterin im Briefchenschreiben. Vor allem, wenn ich allein unterwegs bin.
Das bin ich jetzt, und mir ist mulmig zumute: Seit meiner Reportagereise nach Schottland im vorigen Jahr, die ich wegen Rückenschmerzen abbrechen musste, fühle ich mich verwundbar.
Ich checke am Flughafen ein, als mir aus dem Ticket ein parfümiertes Foto entgegenflattert.
Ich treffe spät in Oslo im Hotel ein und finde ein nettes Mail von Schreiber an der Reception vor, ich putze die Zähne und im Necessaire liegt eine Dose mit selbst gebackenen Plätzchen.
Was immer ich aus meinem Koffer hole, Schreiber kommt mir entgegen. Das ist schön. Aber auch, nun, wie soll ich sagen: anstrengend.
Denn ich habe vergessen, ihr etwas zu hinterlassen. Bin einfach gegangen, mit Küsschen zwar, aber ohne Liebesbriefchen.
Bin einfach nicht dazu gekommen. Am anderen Morgen rufe ich an, um zu sagen, dass ich gut angekommen sei.
Sie fragt zärtlich: «Und, du Schlitzohr, wo hast du ihn versteckt?»
Ich hatte eine Nacht lang Zeit, mir die richtige Antwort auszudenken, und voller Liebe sage ich: «In meinem Herzen!»

(Coopzeitung Nr. 02/2012)

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 06.01.2012, 14:28 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Mägert Andrea antwortet vor 2 Monaten
Die Kündigung
Hiermit Kündige ich meine Coop ... 
Miguel de Antony y Maura antwortet vor 2 Monaten
Der längste Tag
Wie schon oft irrt sich Frau S ... 
Die Kroatin antwortet vor 2 Monaten
Schweizer Hymnen
Numme e so näbebii... die kroa ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?