Salat ist ja fein; aber Kaninchen brauchen auch mineralstoffreiches Futter.

Ein verwöhntes Kerlchen

Zuerst sind es nur die abgebrochenen Zähne. Doch dann zeigt sich bei Kaninchen Bunny noch ein weiteres, gravierenderes Problem. Es leidet an Mineralstoffmangel.

Das Kaninchen war sehr ruhig. Trotzdem wurde es fachgerecht fixiert. Die eine Hand der Assistentin hielt die Vorderbeine, die andere die Hinterhand. Dabei beugte sie sich über Bunny, damit er nicht davonhüpfen konnte. Kaninchen müssen gut und sorgfältig fixiert werden, da sie vor lauter Angst ausschlagen und sich dabei verletzen können. Bunny hatte ausgeschlagene Zähne. Offensichtlich war er auf der Flucht vor irgendeinem Geräusch in sein Häuschen geprallt. Ich schaute ihm vorsichtig ins Maul. Seine Lippen waren etwas aufgeschürft und die vorderen Zähne zum Glück nur abgebrochen. Da Kaninchenzähne lebenslang wachsen, würde er bald wieder normal aussehen.

Bunny zappelte etwas und ein trockenes Knacken schreckte uns auf. Die Assistentin wurde bleich und meinte, er habe sich soeben sein Bein gebrochen. Wir schauten uns bestürzt an. Nun musste das arme, übergewichtige Kaninchen noch unter das Röntgengerät: ein Vorderarmknochen war tatsächlich gebrochen. Da war aber noch etwas anderes: Seine Knochen waren alle sehr schwach und er zeigte bereits Spuren alter, verheilter Brüche.
Bunny litt auch noch unter einem Knochenproblem. Weitere Abklärungen ergaben, dass er das Heu verschmähte und nur Salatherzen und andere mineralstoffarme Speisen liebte. Diese Fehlernährung hatte im Lauf der Zeit seine Knochen brüchig gemacht. Bunny kam mit einem Armverband und strengen Diätvorschriften nach Hause. Er durfte nur noch Heu, Wasser und eine Mineralstoffmischung fressen. Nach langem Grollen schickte er sich in seine neue Diät. Kaninchen können freiwillig sehr einseitig fressen. Für den Besitzer ist dies schwer zu durchschauen, vor allem, wenn das andere Kaninchen an seiner statt das Heu frisst.

Nach zwei Wochen konnte Bunny bereits ohne Verband herumhoppeln. Auch seine Knochen waren deutlich stärker geworden. Nur machte er immer noch nicht freiwillig seine Heudiät. Lange würde er betteln und die dann gereichten, geeigneten Gemüsestückchen liegen lassen. Er wollte seine Salatherzen! Die Besitzerin musste all ihre Willenskraft aufwenden, um Bunny zu erziehen. «Nächsten Sommer kann er ins Gras! Dann hat er seine Ablenkung und gleichzeitig eine gesunde Ernährung.» Ich antwortete, dass Bunny dann mit Sicherheit auch weniger schreckhaft würde.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 23.01.2012, 12:14 Uhr

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