Codewort Margherita

Sie: Venedig verzaubert mich. Zum Zauber leisten wir uns noch eine Portion Handfestes: eine Privatführung mit einer Deutschen, die seit Langem in Venedig lebt. Während wir mit ihr durch die Gassen spurten, erfahren wir, dass die Stadt aus über 100 Inseln besteht, auf rund einer Million Pflöcke ruht, die Gondeln schräg gebaut sind und die 400 Brücken alle ohne Geländer waren, bis die Österreicher Venedig übernahmen. Die Österreicher machten dann Geländer dran, weil sie anders als die Venezianer nicht schwimmen konnten. Und sie spricht von den 60 000 Tonnen Müll, welche die Touristen im Jahr liegen lassen.

«

Es muss natürlich das Günstigste sein.»

So viele Informationen machen mich mächtig hungrig. Aber das heisst nicht, dass ich nach der Führung grad etwas zwischen die Zähne bekommen werde. Denn Schneider hat ein Kindheitstrauma, weil er früher mal bei einem Besuch mit seinen Eltern in Venedig für einen Orangensaft mehr
als zehntausend Lire bezahlen musste. Sagt er. Wie viel es genau war, weiss er nicht mehr. Aber genug, damit die Nahrungsaufnahme in Venedig für ihn zur Mission impossible wird: Schneider sucht derart akribisch nach dem günstigsten und besten Restaurant, dass er mich bald auch mitsuchen kann ... 

Er: Schreiber würde in das erstbeste Restaurant stürmen – weil sie es immer so pressant hat, wenn sie hungrig ist. Aber nicht mit mir. Ich lasse mich nicht über den Tisch ziehen, auch nicht von Italienern, selbst wenn ich mütterlicherseits halber Italo bin. In Venedig muss man nämlich höllisch aufpassen. Ich kenne mich da aus. Als Bub war ich mit meinen italienischen Verwandten öfters in Venedig und wir sind mehr als einmal reingefallen.

«

Ich lass mich doch nicht über den Tisch ziehen.»

Aber jetzt habe ich mich informiert. Im «Florian» zum Beispiel, dem legendären Kaffee am Markusplatz, kostet der Cappuccino fünf Euro – sofern man weiss, dass man ihn für diesen Preis stehend an der Bar trinken muss. Setzt man sich, kostet er zehn Euro. Und spielt noch eine Musik auf der Bühne, kostet er 16 Euro. Macht 32 Euro für uns beide! Nein, da beuge ich vor und kümmere mich darum, fair behandelt zu werden. Mein System: Kostet die Pizza Margherita, die auf jeder Menükarte zuoberst aufgelistet ist, weniger als sechs Euro, was in Italien immer noch teuer ist, hocken wir uns hin. Sofern Schreiber so lange durchhält. Die geht schon bald auf allen vieren und als tiefsten Preis habe ich bis jetzt erst 7 Euro 50 ausgemacht.

 (Coopzeitung Nr. 45/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 02.11.2015, 12:56 Uhr

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