Der Ehetherapeut

Ob sich Schreiber und Schneiders Hund wohl gut als Streitschlichter anstellt?

Sybil Schreiber: Das war wieder mal ein Tag! Ich habe eigenhändig einen verstopften Abfluss repariert – eine reichlich unappetitliche Angelegenheit –, derweil die Kinder durchs Haus tobten, die dann auf einmal sehr hungrig waren, zudem klingelte dauernd das Telefon. Beim letzten Anruf war Schneider am Draht. Er meinte, er komme später, es laufe ihm grad so gut in der Arbeit, es sei herrlich ruhig im Büro. Ich solle mit dem Abendessen nicht auf ihn warten. Er würde sich dann einfach nehmen, was noch übrig sei. Wie schön für ihn!
Schneider kam ziemlich spät, setzte sich zufrieden an den Tisch und meinte kauend, am Bohnensalat sei irgendwie zu viel Senf dran und zu wenig Essig. Den bekam er postwendend verbal: «Kann sich hier auch mal irgendwer bedanken?»
Ich nahm unseren Hund Lilla und marschierte in den Wald. Raus! Ruhe! Hier bin ich nun, atme frische Luft ein, lausche in den Abend. Endlich Zeit für mich. Lilla rast umher, das Laub raschelt. Sie steckt voller Lebensfreude. Allein ihr Anblick tut mir schon gut. Ich muss lachen, als sie mit der Schnauze an mein Bein stupst und spielen will. Dann renne ich ihr bellend hinterher und vergesse alles, was war und noch kommt.

Steven Schneider: Es war die falsche Gesprächseröffnung, als ich vorschlug, nächstes Mal scharfen statt süssen Senf an den Bohnensalat zu tun. Das hatte ich nicht böse gemeint. Aber Schreiber nahm es persönlich und zog Leine. Kochend vor Wut.
Ich blieb perplex zurück – aber nur kurz. Nun sind meine beiden Mädels und ich tüchtig am Wiedergutmachen. Ich poliere die Küche auf Hochglanz, während die Kinder Stube und Gang aufräumen und an der Garderobe die Jacken aufhängen.
Aber Schreiber lässt sich Zeit. Die Kinder ziehen den Pyjama an und putzen sich die Zähne. «Wann kommt die Mami wieder?» fragen sie. «Gleich.» Hoffentlich. Denn so entrüstet war Schreiber schon lange nicht mehr. Ich lösche bei den Kindern das Licht und setze mich, leicht beunruhigt, ins  Wohnzimmer.  Ich denke an einen Bekannten und daran, was er zur Antwort gab, als ich klagte, meine Frau wünsche sich einen Hund. «Mach das! Ein Hund ist grossartig für die Beziehung!»
Ein Spaziergang mit dem Hund vertreibe Aggressionen und federe jeden Konflikt ab, fügte er an.
Endlich geht die Haustür auf.
Lilla kommt schwanzwedelnd auf mich zu, Schreiber folgt hinterher, sieht die saubere Küche, lächelt versöhnlich und sagt: «Wuff!» Uff!

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 07.02.2012, 16:43 Uhr

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