Im richtigen Film

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Schreiber: Ich bin grad ganz beglückt von einem Pulli-Kauf: gross, kuschelig, leicht. Könnte meine neue Heimat werden im Winter. Habe zudem einem frischen Gemüsesaft getrunken, bin also entgiftet und mineralisiert und spaziere selig neben Schneider durch «SoHo», als er mich anstupst: «Vor uns geht Woody Allen.»

Ich gucke. Hut, Jeanshemd, beige Hosen: «Der ist nur so angezogen.»

«Das ist er. 100 Prozent!»

«Bestimmt nicht. Ich meine, der läuft doch nicht einfach so frei durch die Gegend. Das ist jemand, der ihn kopiert.»

«

Der kleine Mann da vorn: Ist das Woody Allen?»

«Ja, genau, und deshalb steht hier auch eine Filmcrew rum.» Schneider deutet auf einen Sattelschlepper, einige Scheinwerfer und Plakate an den Laternen, auf denen WASP steht.
Seltsam. Ich schau noch einmal auf den kleinen Mann vor uns. Wahnsinn, wenn das wirklich Woody Allen wäre! Denn als ich damals in New York an der Schauspielschule war, scherzte ich – meinte es aber ernst –, dass ich von Woody Allen entdeckt werden möchte. Er war damals mein Held, bloss entdeckt hat er mich nicht. Tja, so gingen wir eben unterschiedliche Wege. Bisher jedenfalls.

Ich sehe, wie Schneider den Fotoapparat zückt und der Woody-Kopie auf die Schulter tippt. Jetzt werden meine Knie doch etwas weich.

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Schneider: Ich frage Woody Allen, ob ich ein Bild von ihm machen dürfe. Von ihm und der grossen Frau neben mir.

Filmreif, mein Einsatz, finde ich. So wie die ganze Stadt einem Drehort gleicht. Einmal ass ich in Tribeca neben Al Pacino, ein anderes Mal lief ich Ben Stiller bei Aufnahmen für «Walter Mitty» über den Weg. Also ist es auch nicht aussergewöhnlich, Woody Allen zu treffen, denke ich.

Es ist nur so, dass ich soeben mit ihm gesprochen habe; sonst bin ich in solchen Dingen nicht so mutig.

«

Mein Einsatz ist filmreif. Nun bin ich ihr Held.»

Der grosse Mime und Regisseur blickt mich freundlich an und nickt. Schreiber japst: «Really? Fantastic!» Dann hüpft sie wie ein Teenager an seine Seite, legt ihren Arm um ihn, macht sich klein und ich drücke auf den Auslöser. Mehrmals, zur Sicherheit.

Schreiber plaudert mit Woody, erzählt von der Schauspielschule, dass sie ihn «so great» fand. Ganz meine Meinung. Dafür ist er aber viel kleiner als ich.

Endlich reicht sie ihm die Hand und lässt die seine gar nicht mehr los. Woody befreit sich dann irgendwann wieder und Schreiber hakt sich bei mir ein. «Er wars! Ich hätte mich nie, nie, nie getraut, ihn anzusprechen! Aber du hast es getan, du!»

Dann haucht sie hollywoodreif: «Du bist echt mein Held!»

Lesungen mit den Kolumnisten und ihrem Programm «Mein Leben als Paar»: 29. November 2017 Benken SG; 30. November Erlinsbach SO. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 27.11.2017, 10:00 Uhr

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