Andrea Jansen, mobile Moderatorin

Loslassen

Es braucht ja nicht viel bei mir: Ich bin schampar nah am Wasser gebaut. Aber dass ein in der Ferne blitzender Chindsgi-Leuchtstreifen meine Tränendrüsen aktivieren würde, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Der Tag, an dem der Sohn den Heimweg vom Kindergarten zum ersten Mal ganz allein bestreiten sollte, war ein düsterer. Neblig, kalt. Mehrmals hatte ich die Strecke mit ihm geübt. Doch man weiss ja nie, was alles die Aufmerksamkeit eines Fünfjährigen vom Strassenverkehr ablenken könnte: Nacktschnecken, ein Malermeister, die Müllabfuhr – um nur einige zu nennen.

Bei einem der Übungsgänge hatten wir eine tote Maus entdeckt, was zu einem locker-flockigen Walk’n’Talk über den Tod, das Leben danach und Halloweenkostüme führte. Das ist nämlich die wahre Herausforderung des Elternseins: Impromptu-Tiefgründigkeit auf dem Trottoir. Dies und das Loslassen. Als mir an besagtem Tag von weit her langsam der Leuchtstreifen entgegentrappelte, breitete ich beschützend meine Arme aus. Der Sohn blieb kaum stehen, strahlte mich stolz an und meinte: «Wir sehen uns dann zu Hause». Ich blieb mit offenem Mund zurück. Und er wackelte von dannen.

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Text:
Andrea Jansen
Foto:
ZVG
Veröffentlicht:
Montag 04.12.2017, 16:00 Uhr

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