Schaumschläger

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Schneider: Stehe im Bad, schaue in den Spiegel und sehe einen mittelalterlichen Mann. Kein Traumtyp, ein bisschen verknittert, ein bisschen unrasiert, ein bisschen müde. Aber sehr glücklich. Ich habe einfach genau die richtige Frau für mich gefunden. Sie gibt mir Halt, sie bringt mich zum Lachen, sie nimmt mich auf den Arm und in die Arme. Sie unterstützt mich, sie ist einfach eine Wucht. Mann, hab ich ein Glück!

«

Ich habe genau die richtige Frau gefunden. »

Ich drücke Zahnpasta auf die Bürste und beginne zu schrubben.

Es war ja nicht immer einfach, der Anfang grad gar nicht. Aber wir haben es irgendwie immer geschafft, auch wenn wir manchmal beide erschöpft waren. Schreiber ist eine super Teamplayerin, sie packt an, ist unkompliziert. Himmel, ich bin grad völlig verliebt, merke ich. Wie denn das? Einfach so. Ohne Grund. Egal. Ich geniesse es, an sie zu denken. An unsere Pläne. Dass wir es mit den Kindern gut haben.

Meine Schwärmerei muss raus. Ich muss ihr all das sagen. Es ist Zeit für eine Liebeserklärung.

Sie liegt bereits im Bett und liest, meine Liebste.

Ich mache die Türe ganz auf, das Licht ist gedämpft, sie blickt kurz vom Buch auf.

Fragt: «Hm, na?»

Ich setze mich an den Rand, sie rutscht ein wenig rüber. Dann lege ich los.

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Schreiber: Ich war bis eben noch ganz versunken in einem witzigen Buch über die Liebe unter Fischen. Da kommt Schneider rein. Er setzt sich ans Bett, die eine Hand legt er auf meinen Bauch, die andere hält seine Zahnbürste. Dann sagt er: «Schwlltdrschnlnsgndss - ...schdschlb!» Aha! Schaum tropft aus seinem Mundwinkel, er nimmt nun die Hand von meinem Bauch und fängt den Tropfen auf. «Bsch d’Bscht.»

«

Also Blumen und Dinner dann am Freitag?»

Ich versuche sein Gebrabbel zu entcodieren. «Könnte das so was wie ‹Ich wollte dir schon lange sagen, dass ich dich liebe› und ‹Bist die Beste› heissen?»

Schneider nickt, es tropft weiter, seine Lippen weiss umperlt, fluorhaltig natürlich. Was für ein Anblick: Mein Mann in den besten Jahren brabbelt von Liebe. Ich bin in der Tat berührt. Es tropft nun von der Bürste an seinem Handgelenk hinunter.

«Also, das freut mich», sage ich. «Echt originell so mit Zahnpasta und Bürste. Mal was anderes als mit bunten Blumen und einem Abendessen in der Kronenhalle.»

Er grinst und schluckt das Spuckepaste-Gemisch runter. Mich schüttelts, er sagt: «Ich musste es dir einfach sofort sagen. Grad jetzt!»

Ja, gewisse Dinge sollte man nicht aufschieben, das sehe ich auch so. Darum sage ich: «Blumen und Dinner dann am Freitag?»

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 22.01.2018, 09:24 Uhr

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