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Cédric Tschol liebt Musik und wäre gerne DJ. Doch etwas ist für den 17-Jährigen nicht selbstverständlich: sprechen, ohne zu stottern.

Kampf gegen das Stottern

Im Kindergartenalter fing Cédric Tschol an zu stottern. Nach einem schweren Skiunfall wurde die Redeflussstörung stärker. Dank einer intensiven Therapie hat der junge Ostschweizer das Stottern wieder in den Griff bekommen.

Cédric Tschol sitzt am Küchentisch und erzählt von sich: dass er nach den Sommerferien eine Lehrstelle antreten wird, gerne Sport treibt, gerne mal als DJ auftreten und liebend gerne Autofahren lernen möchte. Nichts Ungewöhnliches für einen 17-Jährigen. Wichtig ist denn auch nicht, was er erzählt, sondern wie er es erzählt, nämlich lebhaft, ohne Anstrengung – und vor allem flüssig. Für Cédric ist dies nicht selbstverständlich: Er stottert.

Schon als Kind litt der Ostschweizer an der Redeflussstörung (siehe auch Infobox Seite 91). Seine Mutter erinnert sich an lange zurückliegende Ferien in Paris, als die Figuren an der Fassade von Notre Dame dem dreijährigen Cédric derart Angst einflössten, dass er anschliessend jahrelang keine Kirche mehr betrat.
Etwa zum selben Zeitpunkt fing er an zu stottern. Ob diese kindliche Angst tatsächlich das Stottern auslöste, kann niemand endgültig beantworten. Während der Kindergarten- und Primarschulzeit war Cédric einige Zeit in logopädischer Behandlung, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Im Alltag liess sich der kontaktfreudige Bub durch die Redestörung nicht einschränken, zumal er ohnehin nur leicht stotterte. Klar, seine Klassenkameraden seien schon manchmal ungeduldig geworden, wenn er die Worte nicht herausbrachte, erzählt Cédric. Aber er sei deswegen nie böse gehänselt oder gar ausgestossen worden. Kurz: Er lebte gut mit seinem Stottern.

Bis zu jenem folgenschweren Tag vor drei Jahren. Cédric ist 14, als er beim Einfahren zu einem Skirennen mit seinem Clubkollegen zusammenstösst und sich schwer verletzt. Er selbst erinnert sich nicht an seinen Unfall. Die Mutter erzählt, wie ihr Sohn noch auf der Piste ins künstliche Koma versetzt wurde und mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ins Kinderspital eingeliefert wurde. Als Cédric aus dem Koma erwachte, war er halbseitig gelähmt. Und etwa 14 Tage nach dem Unfall begann er wieder zu stottern, stärker als je zuvor. «Damals brachte ich kaum ein Wort richtig heraus», erinnert er sich. «Vor jedem Satz hatte ich eine Blockade.» In den folgenden Monaten lernte Cédric allmählich wieder, seinen linken Arm und sein rechtes Bein zu bewegen. Das Stottern aber blieb.

Dass er heute wieder flüssig sprechen kann, hat er seinem eigenen Ehrgeiz und einem Aufenthalt in der Sprachheilschule St. Gallen zu verdanken. In einer sechsmonatigen stationären Therapie lernte er dank Atemtechnik und Stimmübungen, seine Redeflussstörung abzubauen. Nachdem die bisherigen logopädischen Behandlungen ihrem Sohn nichts gebracht hätten, habe sie zunächst nicht an den Erfolg dieser Therapie geglaubt, gibt Cédrics Mutter zu. Auch dass ihr Sohn nach monatelangem Klinikaufenthalt erneut längere Zeit auswärts wohnen sollte, machte ihr Sorgen. Doch schon nach der ersten Woche machte Cédric in der Sprachheilschule deutliche Fortschritte. «Wir waren richtig erstaunt», erinnert sich seine Mutter.

Heute ist Cédric zufrieden mit dem, was er erreicht hat. Er ist gerne mit dem Bike unterwegs, hilft seinem Vater, der Trainer beim Ostschweizer Skiverband ist, und fährt auch selbst wieder Ski, allerdings nur in Begleitung. Die Therapie an der Sprachheilschule hat er im vergangenen Jahr abgeschlossen. Sein Stottern kommt zwar immer noch manchmal zum Vorschein, etwa, wenn er sich auf etwas freut. Situationen, in denen er stark stottert, gibt es hingegen keine mehr. Derzeit besucht der 17-Jährige das zehnte Schuljahr, nach den Sommerferien beginnt er eine Lehre zum Fachmann Betriebsunterhalt. Nun hofft er, dass sich auch die Einschränkung des Gesichtsfeldes, an der er seit seinem Unfall leidet, weiter verbessert. Dann steht auch der Fahrprüfung nichts mehr im Weg.

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