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Grüne Spargeln: Projekt mit Tücken

Frische Spargeln aus dem trockenen und warmen Marokko sollten Flugimporte überflüssig machen. Doch eine «Sintflut» in der Wüste machte die Pläne zunichte.

Vladimir Cob, Gruppenleiter Einkauf Früchte: «Wir wollen in Zukunft keine Spargeln mehr mit dem Flugzeug transportieren.»

Vladimir Cob, Gruppenleiter Einkauf Früchte: «Wir wollen in Zukunft keine Spargeln mehr mit dem Flugzeug transportieren.»
Vladimir Cob, Gruppenleiter Einkauf Früchte: «Wir wollen in Zukunft keine Spargeln mehr mit dem Flugzeug transportieren.»

Die Idee klang bestechend. In Marokko wollte der spanische Steinobstproduzent Atanasio Naranjo eine Spargelproduktion aufbauen und ab 2010 Coop mit Spargeln beliefern. Die klimatischen Verhältnisse in Marokko sind optimal und der Markt war vorhanden. Europas Konsumenten lieben Spargeln und sie lieben sie immer früher, wie Vladimir Cob, Gruppenleiter Einkauf Früchte von Coop, feststellt. Während die heimischen Spargeln erst Ende April aus dem Boden schiessen, gelüstet den Konsumenten schon im Februar nach ihnen. Es konnte eigentlich nichts schiefgehen, dachte Atanasio.

Er wählte einen Landstrich südlich von Agadir aus. Das Gebiet dort ist warm und trocken. Die milden Temperaturen bewegen sich zwischen 12 und maximal 26 Grad, die Niederschlagsmenge in der Regenzeit zwischen November und März ist mit weniger als 200 Millimeter gering, aber vorhanden, und der Boden enthält viel sandigen Lehm. Eigentlich ideale Bedingungen für die Spargeln.

Und dann kam der grosse Regen. In Marokko, in Afrika. Atypische Wetterereignisse nennen die Meteorologen dies. Für die Spargelproduzenten waren es schlicht sintflutartige Regenfälle. Sowohl 2010 wie auch im Jahr darauf wurde die Spargelernte vernichtet. Im Januar und Februar 2011 regnete es um mehr als das Vierfache der durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge, was zu grossflächigen Überflutungen führte. Brücken wurden weggerissen, Strassen unterspült, landwirtschaftliche Anlagen zerstört.

Wenn es so heftig regnet, ist es aus. Aus und vorbei mit Spargeln, denn zum Reifen brauchen die Spargeln trockenes Wetter und Wärme, allenfalls etwas Feuchtigkeit. Ein Grossteil der Ernte ging verloren. «Zwei Jahre Aufbauarbeit hat das schlechte Wetter zunichtegemacht», erklärt Vladimir Cob. Coop unterstützte Produzent Naranjo und sein Unternehmen Tany beim Aufbau der Produktion. Während der vier Jahre, die Tany nun in Marokko präsent ist, habe das Unternehmen über fünf Millionen Euro investiert, aber noch kaum Geld verdient.

Letztes Jahr musste Coop wieder auf kalifornische, mexikanische und peruanische Spargeln zurückgreifen. Die sind zwar gut, haben aber ein Problem: Diese Länder sind so unheimlich weit weg. Mit raffinierter Verpackungstechnologie ist es zwar gelungen, weisse Spargeln so zu konservieren, dass sie mit dem Schiff nach Europa transportiert werden können, doch bei den Grünspargeln geht das noch nicht. Die sind viel empfindlicher als ihre weissen Artgenossen und müssen nach wie vor per Flugzeug über den Atlantik geflogen werden, damit sie noch frisch genug in die Regale kommen. Das verursacht viel CO2.

Um dieses CO2 in Zukunft zu vermeiden, halte Coop am Projekt «Grünspargeln aus Marokko» fest, erklärt Cob. Dieses Jahr hat das Wetter nun mitgespielt. Es war trocken und warm genug. Erstmals sind grüne Spargeln aus Marokko im Verkauf erhältlich. Ziel sei es, schon in naher Zukunft gar keine Spargeln mehr mit dem Flugzeug transportieren zu müssen, sagt Cob. Die Frühspargeln sollen aus dem 160 Hektaren grossen Anbaugebiet von Produzent Tany im Süden Marokkos kommen. Wenn das Projekt ein Erfolg wird, werden während der Erntezeit auch 500 Landarbeiter auf den Feldern und in der Verpackerei eine Beschäftigung haben. 25 Angestellte beschäftigt Tany das ganze Jahr in der Spargelproduktion.

Möglichst alle Lufttransporte vermeiden. Grüne Spargeln kommen deshalb aus Marokko statt aus Amerika zu Coop.

Spargeln aus Übersee weisen eine schlechte Umweltbilanz aus, zumindest jene, die per Flugzeug eingeführt werden. Das ist bei Grünspargeln aus Peru, Mexiko und Kalifornien der Fall. Sie belasten die Umwelt mit 12 Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalenten pro Kilogramm Spargeln (Äquivalente stehen für Kohlenstoffdioxid und andere treibhauswirksame Gase). Das sind 12 Mal mehr CO2 als die weissen Spargeln, die per Schiff aus Peru in die Schweiz gelangen.

Besser schneidet marokkanischer Spargel ab, selbst wenn er per Lastwagen in die Schweiz geführt wird. Das ist bei den derzeit noch kleinen Mengen der Fall. Der Transport mit dem Schiff aus Marokko nach Barcelona oder Marseille wird laut Vladimir Cob, Gruppenleiter Einkauf Früchte bei Coop, für grössere Mengen geplant.

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 20.02.2012, 18:48 Uhr

Illustration Rich Weber

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