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Lichtblicke in der Küche: Petersilienwurzel, Schwarzwurzel, Rüebli mit violetter Schale (v. l.).

Wurzelgemüse: Aus gutem und tiefem Grund

Kindheitserlebnisse und andere Katastrophen. Oder wie Gion-Gieri zum Revoluzzer wurde.

Wenn Gion-Gieri einen Wochentag hasste, dann war es der Samstag: Das hatte nicht nur mit dem Kirchengesang zu tun, zu dem alle Schulklassen zwangsverpflichtet waren und er fromme Lieder für das sonntägliche Hochamt üben musste. Dabei konnte (oder wollte?) Gion-Gieri gar nicht singen. So wenig wie er singen konnte, wollte er das schlucken, was seine Mutter immer samstags auf den Küchentisch zauberte: Siedfleisch mit Wurzelgemüse. Allein schon der Name – Wurzelgemüse. Also Rüben, Rüebli, Sellerie und weitere Dinge, die einem Kind nicht wirklich das Wasser im Mund zusammenlaufen liessen.

In einer vorpubertär-revolutionären Phase entschloss sich Gion-Gieri zur ersten öffentlich-radikalen Widerstandshandlung seines Lebens: Nie mehr Kirchengesang, nie mehr Wurzelgemüse. Und weil das Revoluzzgern alleine keinen Spass macht, suchte er Verbündete. Einen fand er – mich. Und anfangs ging alles gut. Anstatt nach der Rechenstunde in die Turnhalle zwecks Absingen – im Fall von Gion-Gieri eben Nichtsingen – diverser Kirchenlieder, gings indirekt auf den Crap Alva. Zwecks Skifahren. Ganz direkt steuerten wir zuerst aber noch die beste, weil einzige Dorfbäckerei an, zum Behufe des käuflichen Erwerbs von frischen Nussgipfeln. Schliesslich mussten wir irgendwie die gesang-und-rüben-sellerie-topinambur-lose Zeit überstehen. Das hätte vielleicht nicht ewig, aber doch bis zum Abschluss der Schulzeit so weitergehen können. Wenn nicht die Bäckersfrau eines Tages meine Mutter fragte, ob sie die Nussgipfel für ihren immer so freundlichen Sohn gleich mitgeben solle.

Es gab dann väterliche Kopfnüsse statt Nussgipfel und Gion-Gieri sang für einmal in den höchsten Tönen. Aber ganz sicher keine frommen Lieder. Danach biss er wohl oder übel und widerstandslos ins samstägliche Wurzelgemüse. So lange, bis er daheim auszog. Seither ging er nie mehr in die Kirche, und Wurzelgemüse, nein, das kam ihm auch nie mehr auf den Teller.

Eigentlich schade. Denn Gion-Gieris Mutter – sie möge mir verzeihen – ist eine begnadete Köchin, was Capuns, Maluns und Subventiuns betrifft. Aber Rüebli, Sellerie und Pastinaken, Schwarzwurzeln, Mairübchen oder Topinambur hatte sie nicht im Griff: «Das ist gesund, das wird gegessen», war ihr samstäglicher Tischspruch. Dabei ist Wurzelgemüse sicher gesund, vor allem aber gut: Googeln Sie einfach einmal «Spitzenköche» kombiniert mit «Wurzelgemüse». Dann kommen Sie vielleicht auch zum Schluss: Schweizer Bio-Wurzelgemüse – da ist vieles nur Beilage!

Kartoffelstock mit Petersilienwurzel: 750 g mehligkochende Kartoffeln, 250 g Petersilienwurzel, zusammen aufkochen, daraus einen Kartoffelstock zubereiten. Schmeckt auch mit jeder Art Rüebli oder Knollensellerie anstelle von Petersilienwurzel.

«Härdöpfelstock» ist aus dem helvetischen Küchenalltag nicht wegzudenken. Vor allem, seit er in Pulverform erhältlich ist. Doch mit den Jahren kann er schon ein bisschen langweilig werden. Muss aber nicht sein! Nehmen Sie sich mal wieder Zeit für einen richtigen Kartoffelstock spezial: Also Härdöpfel schälen, stampfen usw. Das allein ist schon eine Supersache. Doch wenn Sie noch ein paar Peterli-Wurzeln im Verhältnis 2:1 mitverarbeiten, wirds ein gastronomischer Höhenflug. Peterliwurzeln sehen aus wie kleine, weissliche Rüben und gehören zu den Wurzelgemüsen.

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Montag 20.02.2012, 12:11 Uhr

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