«Er ist so ungepflegt»
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Etwas Heikles beschäftigt mich: Wie bringe ich einem Freund (45) bei, dass er ungepflegt aussieht? Ich möchte ihn nicht verletzen. Er rasiert sich nicht sorgfältig. Im Gesicht und am Hals wuchern die Stoppeln, wie sie wollen! Haare, die aus Ohren und Nase wuchern, wirken unattraktiv. Ich erwarte nicht, dass alle Männer aussehen sollten wie in der Werbung, aber ein Minimum an Pflege ist ein Muss. Auch verwaschene und verfranste T-Shirts sind out.
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Beim «Muss» könnte der Knackpunkt liegen. Vorschreiben funktioniert nicht. Ihre Pluspunkte aber sind Ihr Interesse und Mitgefühl für ihn. So etwas zu spüren, baut auf. Wie wäre es, diese Themen beiläufig anzuschneiden? Etwa im Sinne von: Viele Männer fänden Kleiderkauf ja eher mühsam.
Welche Strategie er anwende? Vielleicht bietet sich bei solchen Gesprächen auch Gelegenheit, Ihr modisches Know-how für einen Einkauf anzubieten. Das Thema Körperpflege ist persönlicher. Ob Sie dies aufgreifen können, hängt davon ab, wie gut Sie Ihren Bekannten kennen. Auch hier käme eher ein allgemeiner Einstieg infrage. Etwa, dass Sie interessiere, wie er als junger Mann das Rasieren in den Griff bekommen hat. Wie entschied er, ob er nass oder trocken rasiere? Jeden Morgen die gleiche Prozedur auf der Haut, bei der man wohl aufpassen müsse, sich nicht zu verletzen. Ob es Partien gäbe, die schwieriger seien und wie er das manage?
Kurzum: Indem Sie – mit Charme – zu erkennen geben, dass das alles nicht so einfach ist und manches davon vermutlich auch unangenehm und schmerzhaft, etwa Härchen zupfen, die irgendwo rauswachsen, ermutigen Sie ihn, sich die Dinge bewusster zu machen.
Margarethe Letzel Psychotherapeutin FSP
(Coopzeitung Nr. 08/2012)
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