Gut gemeint, aber fatal

Bewegung tut Hunden gut. Sehr viel Bewegung im Schnee kann aber zu schmerzenden Muskeln führen. Davor sind auch Menschen nicht gefeit. Huskys mögen die Kälte. Aber nur, wenn sie in Bewegung sind, schadet sie ihnen nicht.

Das Notfallhandy klingelte. Wie immer hatte ich den Samstag gearbeitet, hatte alles erledigt und mich seit mehreren Stunden aufs Nachhausekommen gefreut. Kaum war ich an der Wärme, kam der Notfall.

Ein sportlicher Huskymischling konnte nicht mehr aufstehen. Er lag auf dem Boden der Praxis und jaulte. Sorgfältig untersuchte ich den armen Kerl. Seine Rückenmuskeln waren schmerzhaft beim Palpieren und die Hüfte schien völlig blockiert. Die kleinste Bewegung tat ihm weh.
Der junge Besitzer berichtete, dass er mit seinem durchtrainierten Hund Schlitten fahren war. Freudig war dieser den gesamten Nachmittag neben dem Schlitten bergabwärts gesprungen. Zwei Mal waren sie mit der Seilbahn raufgefahren, dann wieder runtergeschlittelt.

Während der Besitzer berichtete, massierte und streckte ich dem Hund den Rücken. Die Muskeln waren völlig verspannt und Kippbewegungen schmerzten. Nach und nach aber entspannte sich das Tier. Langsam liess er weitere Bewegungen zu. Inzwischen hatte der Besitzer fertig erzählt. Sein Hund habe den Weg mindestens sieben Mal gemacht. Hin und her sei er im Schnee gesprungen.
Danach habe er ihn mit in ein Restaurant genommen, um ihn etwas aufzuwärmen. Das war sicher gut gemeint. In Wirklichkeit aber war es genau umgekehrt gewesen: Der vom Springen aufgewärmte Hund lag im Restaurant auf den kalten Fliesen, mitten im Durchzug, ohne Möglichkeit, sich zu bewegen. Dies hatte seinem ohnehin sehr langen Rücken und den empfindlichen Muskeln nicht gutgetan.

Ich stand auf und der Hund sprang auf die Beine. Er war durch die Rückenmassage fast eingeschlafen. Ein Schütteln und Schwanzwedeln verriet, dass ihm wohler war. Der Besitzer staunte. Schwanzwedeln? Das hatte er seit dem Restaurant nicht mehr gemacht und er lief auch wieder besser. Trotzdem musste der Huskymischling sich noch schonen. Entzündungshemmende Medikamente, ein mildes Training und Wärme würden den schmerzhaften Muskeln helfen.
Endlich zu Hause, bückte ich mich, um die Schuhe auszuziehen – und konnte kaum mehr aufstehen. Ich war wohl zu lange auf dem kalten Boden herum gerutscht, um den Hund zu untersuchen und zu massieren, nachdem ich den ganzen Tag herumgesprungen bin!
Mühsam kroch ich aufs Sofa und linderte meine Schmerzen mit einer Wärmflasche. Was schlecht ist für Hunde, muss wohl auch für meinen Rücken schlecht sein!

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 13.02.2012, 00:00 Uhr

Mehr zum Thema:

Mehr Geschichten aus der Tierarztpraxis

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Die neuesten Kommentare zu den Geschichten aus der Tierarztpraxis:

Ursula antwortet vor 2 Monaten
Eins, zwei – ganz viele
Vielen Dank, mir gefallen alle ... 
Smithc477 antwortet vor 2 Monaten
Mein Hund, dein Hund
Awesome article post.Thanks Ag ... 
Sonja Tschudin antwortet vor 2 Monaten
Noro wahrt die Haltung
Für ältere Hunde, die plötzlic ... 


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?