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Wollen, und nicht können

Kater Karlo kann nicht: Er drückt und drückt, doch die Katzentoilette bleibt leer. Seine Besitzerin macht sich grosse Sorgen. So grosse Sorgen, dass sie deswegen ihre Sitzung verpasst – notgedrungen …

Karlo musste alle paar Minuten auf die Katzentoilette. Er miaute und scharrte, dann kam er erfolglos wieder zurück – um gleich darauf wieder zu springen. Die Halterin war gut informiert. Kater können, falls die Harnröhre verstopft ist, schnell lebensgefährlich erkranken. Sie kam in die Praxis, ohne Voranmeldung. Auch hatte sie ihre Arbeit liegengelassen. Der Kater geht vor! In der Praxis palpierte ich ihm den Bauch. Die Blase war fast leer! Entweder hatte er bei seinen Pinkelversuchen Erfolg gehabt, oder aber er hatte ein anderes Problem! Unter lautem Wehklagen musste er sich einen Katheter setzen lassen. Seine Harnröhre war in Ordnung und auch sein Urin.

Also suchte ich weiter. Er hatte viel Kot im Enddarm und kaum hatte ich ihn untersucht, so versuchte er wieder vergebens zu drücken. Die Besitzerin atmete auf. Endlich hatten wir Karlos Problem entdeckt. Mir war aufgefallen, dass sie immer wieder nervös auf ihre Uhr blickte. «Mein Chef weiss nicht, dass ich weg bin, ich sollte eigentlich bei der Arbeit sein …» Ich erklärte ihr, dass auch dies ein Problem sei, das etwas Geduld brauche. «Ich muss ihm sanft immer wieder abführen. Wollen Sie ihn nach Ihrer Arbeit wieder abholen?» Sie sagte sehr bestimmt: «Nein!»  Ihre Katze wollte sie nicht alleine lassen.

Jetzt folgte eine Geduldsarbeit mit Einläufen, Bauch massieren und warten, bis der arme Kater wieder ein kleines Häufchen losgeworden war. Endlich, nach einer langen Prozedur, war sein Enddarm leer. Ich empfahl ihr noch ein spezielles Futter und für Notfälle noch etwas Paraffinöl. Katzen, die an einem verstopften Darm leiden, kommen leider immer wieder mit diesem Problem. Einzig ein dauerhaftes Futtermanagement kann helfen.

Die Besitzerin atmete auf: «Es reicht, ich kann noch arbeiten gehen. Es reicht noch knapp für die Sitzung.» Sie nahm ihren Kater auf den Arm und tröstete ihn. Ich wollte ihr noch etwas sagen: «Vorsicht, mit all diesen Einläufen könnte er noch …» Ich konnte nicht fertig sprechen. Karlo drückte und heraus kam der letzte Rest einer braunen, übelriechenden Sauce. Mein letzter Einlauf hatte sehr gut gewirkt. Die Besitzerin hielt die Katze erschrocken von sich weg. Dann meinte sie resigniert, dass sie jetzt wohl nicht mehr pressieren müsse. «Die letzte Sitzung habe ich somit auch verpasst!» Tiere und Stress, das passt nicht zusammen.

(Coopzeitung Nr. 08 / 2012)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 20.02.2012, 17:46 Uhr

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