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Filmkritik: Die Wiesenberger

Über 20 Jahre juitzen und jodeln „Die Wiesenberger“ ausschliesslich zur eigenen Freude. Bis sie unversehens im Rampenlicht stehen. Eine filmische Dokumentation.

Ihre Höfe sind über den Wiesenberg verstreut, aber einmal pro Woche treffen sie sich in der Kirche zur Gesangsprobe: 20 währschafte Männer zwischen 18 und 70 Jahren – Bauern vor allem, Dachdecker, Skiliftangestellte – und eine Frau. Sie juitzen im Gottesdienst, zu Geburtstagen, bei Hochzeiten und Beerdigungen. Bis sie bei der TV-Show „Die grössten Schweizer Hits“ gewinnen. Auf einmal stehen sie mit Stars wie Polo Hofer oder Francine Jordi auf der Bühne. Das schmeichelt den Sängern, das Medieninteresse steigt ins Gigantische, und auf den Tisch des Präsidenten flattern massenweise Anfragen für Auftritte. Aus dem Feierabendhobby droht ein Wochenendberuf zu werden, der viele Mitglieder der Jodlergruppe an ihre Grenzen bringt. Und dann kommt da noch die Einladung, die Schweiz während fünf Tagen an der Weltausstellung in Shanghai zu vertreten – ausgerechnet über den 1. August, wenn geheut werden muss. Eine Zerreissprobe für den Chor.

„Die Wiesenberger“ von Bernard Weber und Martin Schilt wurde bei den diesjährigen Solothurner Filmtagen mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Er dokumentiert den Aufstieg des Chors über zwei Jahre, veranschaulicht, wie die überschwängliche Siegesfreude nachdenklichen Tönen weicht. Eindrücklich zeigt er auch, dass das Juitzen im Verein zwar ein gesellschaftliches Ereignis ist, für den Einzelnen aber weit mehr bedeutet: nämlich Trost, Kraftquelle und vermutlich die einzige Möglichkeit für die bodenständigen Älpler, im Alltag Gefühle zu zeigen. Und das tun sie auch im Film. Ein wunderschönes Porträt – nicht nur für musikalische Traditionalisten.

Ab 23. Februar 2012 in den Deutschschweizer Kinos, weitere Infos unter www.diewiesenberger.ch

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