Eine Prothese ist nicht nötig: Katzen kommen in der Regel sehr gut zurecht auf drei Beinen.

Fröhlich auf drei Beinen

Zuerst hinkt es nur ein bisschen, doch mit der Zeit immer mehr. Schliesslich will es nicht mehr mit seinen Geschwistern spielen. Das kleine Kätzchen leidet an einer Gelenkentzündung.

Das Katzenbaby war kaum entwöhnt und noch ganz klein. Es hatte ein graues Fell und weisse Pfötchen. Gräueli spielte anfangs fröhlich und tobte gern mit seinen Geschwistern.
Ich hatte es zum ersten Mal gesehen, als es nur leicht hinkte. Sein Hinterpfötchen wäre vermutlich eingeklemmt worden, meinte damals die Besitzerin. Doch das Pfötchen wurde nicht besser. Im Gegenteil. Inzwischen war nicht nur das Gelenk dick, sondern auch die Ferse. Es wollte nicht mehr spielen und lag fiebrig herum.
Weitere Abklärungen ergaben, dass Bakterien in die Gelenke gelangt waren. Dort hatten sie alles besiedelt. Starke Antibiotika konnten das Kniegelenk retten, doch die Ferse wurde trotz Therapie dick und dicker. Das Kätzchen versuchte wieder zu spielen, doch sein Hinterbein schmerzte immer noch sehr. Nach einiger Zeit trat ein, was ich befürchtet hatte: Das Gelenk wurde von den Bakterien zerfressen und zerstört.
Solche Keime werden häufig über die Blutbahn verteilt. Sie siedeln sich in Gelenken an und bilden Eiter. Diese Entzündung zerfrisst auch gesunde Teile der Knochen. Gerade Katzenwelpen haben eine schlechte Immunabwehr, was die Bakterien ausnutzen.

Sind diese Keime zusätzlich resistent
, das heisst, sie reagieren nicht auf gängige Antibiotika, können Gelenke gänzlich zerstört werden. Medikamente kommen ausserdem nur schwer in ein Gelenk hinein. Gerade Fersengelenke haben unzählige Flächen, was ein Ausspülen oder ein operatives Eingreifen erschwert. Auch kann man bei kleinen Katzen nicht alle Antibiotika verwenden.
Gräueli war leider so ein Kandidat. Sein Hinterbein wurde immer schlimmer und so beschlossen wir, es zu amputieren. Es hatte sein Hinterbein ohnehin nie richtig benutzen können, und die Gefahr einer weiteren Verbreitung der Keime war zu gross. Auch war sein Gelenk unrettbar zerstört. Die Besitzerin willigte ein und bald da-rauf war Gräueli operiert und lag unter der Wärmelampe.

Zu unserem Erstaunen ging es Gräueli kurz nach der Operation viel besser als zuvor. Ohne schmerzhaftes «Anhängsel» war das Leben offenbar viel angenehmer. Beim Fädenziehen erzählte die Besitzerin, Gräueli würde wieder spielen und toben wie alle anderen kleinen Katzen. Sie könne sogar auf den Kratzbaum klettern mit einem gesunden Hinterbein. Nur beim Pinkeln würde sie sich das Bein ein bisschen besudeln. Sonst stehe sie ihren Geschwistern in nichts nach. Auch auf drei Beinen.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Fotolia
Veröffentlicht:
Montag 27.02.2012, 16:45 Uhr

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