TV-Moderator und Unicef-Botschafter Kurt Aeschbacher in seiner Wohnung in Zürich.

Kurt Aeschbacher: «Wir leben im Schlaraffenland»

Persönlich. Kurt Aeschbacher (63) ist bekannt als feinfühliger Gesprächsführer am Fernsehen. Weniger bekannt ist sein Einsatz für die Umwelt und sein Engagement als Unicef-Botschafter. Der Einsatz für Kinder führt ihn diese Woche in den Kongo.

Coopzeitung: Sie fliegen nun wieder für Unicef in eine andere Welt. Wie gehen Sie mit diesem Wechsel um?
Kurt Aeschbacher: Dieser Spagat ist ein Teil meiner Aufgabe. Wir sammeln hier Geld, um dort zu helfen. Dafür setze ich mich ein und versuche mit meiner Zeit und meinem finanziellen Engagement einen Beitrag zu leisten. Ich war bereits letztes Jahr im Kongo und weiss, dass ich jetzt wieder aus einer extrem luxuriösen Welt eintauche in eine Art Vorhölle für die Menschen, die dort seit 50 Jahren in ziemlicher Hoffnungslosigkeit leben müssen. Klar logieren wir in den zehn Tagen unserer Mission nie in Luxushotels, aber die Unterkünfte sind meist so, dass wir damit einigermassen zurechtkommen. Und ich weiss: Ich habe das Privileg, wieder in meine gewohnte Umgebung zurückkehren zu dürfen.

Was bringt Ihr Erscheinen diesen Menschen?
Unicef unterstützt weltweit Kinder, um ihnen eine Chance auf ein lebenswertes, selbstbestimmtes Dasein zu geben. Wir bauen Schulen, sorgen für ärztliche Betreuung, kämpfen gegen Kinderarbeit, den Missbrauch besonders von Mädchen, engagieren uns gegen die Unterernährung usw. Konkret ging es im Kongo letztes Mal darum, Kindern, die als Soldaten für Überfälle und Morde missbraucht wurden, ein Auffangnetz zu bieten, damit sie den Weg zurück in ein normales Leben finden, in ihre dörfliche Strukturen, dass sie betreut werden und wieder zur Schule gehen können.  

Wie gehen Sie mit dem Erlebten um?
Ich gehe zwischendurch auch hinter eine Hütte, um zu weinen …

… und repräsentieren ein bisschen?
Ich gehe nicht in solche Krisengebiete, um mich mit einem Kind im Arm fotografieren zu lassen und am nächsten Tag wieder heim- zufliegen. Ich will mithelfen, etwas verändern. Unter diesen Voraussetzungen muss man sich auch mit den Erlebnissen aus solchen Einsätzen auseinandersetzen. Abgesehen davon helfen diese Erfahrungen auch einem selbst: Ich weiss nach jeder Reise wieder, in welchem Schlaraffenland wir hier leben.

Sie engagieren sich auch neben Unicef – etwa für den Tierschutz.
Die Tierschutzorganisation, die ich seit bald zwanzig Jahren leite, ist von einer befreundeten, vermögenden Stifterin gegründet worden. Das Stiftungsvermögen ermöglicht uns, mit dem WWF zahlreiche internationale Tierschutz-Projekte zu unterstützen. Aber auch in der Schweiz finanzieren wir verschiedene Naturschutzvorhaben und engagieren uns für die Erhaltung ökologischer Lebensräume.

Leben Sie umweltbewusst?
Ehrlich gesagt: nicht zu 100 Prozent. Klar gibt es viele Dinge, die für mich – besonders bei den Lebensmitteln – wichtig sind. Aber ich lebe auch mit Luxusansprüchen, ganz eindeutig. Ich fahre Auto, fliege, esse Fleisch … Was mach ich noch Schlechtes? Ich hätte auch Mühe, nur noch in Gesundheitssandalen rumzulaufen. Mir sind schöne Kleider wichtig, gerade auch für meinen Beruf.

In Ihrem Beruf als Moderator wählen Sie oft auch schwierige Themen, sprechen mit betroffenen Menschen. Fällt Ihnen dies leichter als Gespräche mit Stars?
Stars finde ich meist nicht besonders interessant, weil sie ihre Biografie oft so geschönt haben, dass man selten auf den wahren Kern ihres Daseins stösst. Da steckt viel PR und Selbstdarstellung dahinter. Ich finde es viel spannender, mit jemandem zu diskutieren, der bereit ist, sich zu öffnen. Mich interessiert ein ehrliches Gespräch, der Blick in die authentische Biografie eines Menschen, seine Abgründe und Motivationen. Aber genauso wichtig ist es mir, Menschen nicht blosszustellen. Ich möchte die Integrität des Gegenübers nie verletzen. Das führt halt dann selten zu grossen Schlagzeilen, dafür hoffentlich zu Einsichten. Mich «tschuderets» vor reisserischen Schlagzeilen und der Rücksichtslosigkeit, mit der oft medial Kapital aus dem Schicksal anderer geschlagen wird.

Sie sprechen viel von Respekt und Vertrauen.
Ich finde, die Gesellschaft hat nur dann einen Zusammenhalt, wenn sie auf gewissen klar definierten Werten basiert. Sobald ich niemandem mehr vertrauen kann – meinem Mechaniker nicht mehr, der mein Auto flickt, dem Banker nicht mehr, der mein Konto führt, oder dem Politiker nicht, weil er lügt –, wird der Alltag zum Albtraum. Ich glaube, die Einhaltung von Werten ist ausschlaggebend, um ein zivilisiertes Zusammenleben ohne dauernden Stress sicherzustellen. Eltern, Schule aber auch die Medien sollten diese Verhaltensregeln wie Respekt oder Vertrauen vorleben.

Sie sind dauernd in Einsatz. Sagen Sie nie Nein?
Das Wörtchen Nein geht mir manchmal schwer über die Lippen. Dazu habe ich bis heute nicht gelernt, dass alles meist mehr Zeit in Anspruch nimmt, als man auf Anhieb meint. So gibt es bei mir dann oft kurze Nächte.

Kurt Aeschbacher

Spitzname: Aeschbi
Beruf: Fernsehmoderator
Geburtsdatum: 24. Oktober 1948, Bern
Wohnort: Zürich (mit Labrador Bombay)
Interessen: Menschen, Kunst (besonders chinesische), Mode, Musik, Kochen
Karriere: Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bern, Abschluss mit Lizenziat. Danach Arbeit in einem Architekturbüro und Vizedirektor der «Grün 80» in Münchenstein BL, seit 1981 beim Schweizer Fernsehen als Redaktor und Moderator. Seit 2001 eigene Sendung «Aeschbacher».
Besonderes:
Er war der erste Unicef-Botschafter der Schweiz.
Links: www.sendungen.sf.tv/aeschbacher ; www.facebook.com/aeschbi

Weitere Antworten von Kurt Aeschbacher

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Gewissensbisse, 111 Antworten auf moralische Fragen des Alltags von Rainer Erlinger

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Siddhartha

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Ich respektiere grundsätzlich Menschen, die ihr Leben konsequent ehrlich und authentisch leben

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Ziemlich beste Freunde

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Hitchcock the rope

Was für Musik hören Sie gerade?
Bach, Goldberg Variationen

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Zauberflöte

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Amadeus Mozart

Was kochen Sie selbst?
Alles was Spass macht

Ihre Lieblingsspeise?
Gschwellti mit Chäs

Ihr Lieblingsgetränk?
Einen feinen Bordeaux

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meinen besten Freunden

Und wo essen Sie am liebsten?
Zuhause

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Sowohl als auch

Wein oder Bier?
Wein

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Spazieren

Berge oder Meer?
Von den Bergen aufs Meer schauen

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Gestern im Konzert von Bruckners 7. Sinfonie

Wer bringt Sie zum Lachen?
Öfters über mich selbst, wenn ich mich doof anstelle

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Unser Hund Bombay

Wovon träumen Sie?
Vom fliegen können

Was ist für Sie das grösste Glück?
Zufriedenheit

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Christian Degen

Chefredaktor



Foto:
Justin Hession
Veröffentlicht:
Freitag 09.03.2012, 18:35 Uhr

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