«Her mit den Eiern, dies ist ein Überfall!». Na ja, ganz so dramatisch hat es sich nicht abgespielt.

Mit Gion Wayne auf Diebestour

Hier folgt ein Geständnis. Doch die Taten sind verjährt. Die Entschuldigung soll trotzdem gelten.

Der Winter war am Ausplampen, der Frühling noch nicht eingetroffen. Anstelle der Touristen machte sich die Langeweile breit. Bis Gion-Gieri auftauchte. Auf dem Gesicht ­dieses fatale Grinsen. Wenn Gion – auf Deutsch tönt das in etwa wie John – dieses Grinsen im Gesicht hatte, dann entwickelte sich die Sache meist auf ein ungutes Ende zu. Aber die Gegenwart war so spannend wie ein drei Mal unter den Küchentisch geklebter Bazooka. Also nahm ich lieber ein ungutes Ende in Kauf. Zumal das ja erst irgendwann in ferner Zukunft stattfinden würde.

Der Anfang vom Ende ging so: Gion hatte gesehen, wie die Bäuerinnen des Dorfes immer mit den Eiern bei Pensionen und Hotels hausierten und direkt 20 Rappen pro Ei erhielten (wir schreiben die 60er-Jahre). «Das können wir auch», sagte Gion. Breitbeinig stand er da wie John Wayne selig bei seinem Ranchhaus. Bei Gion-Gieri wars ein Hühnerhaus. Nicht seins, natürlich. «Woher die Eier nehmen und nicht stehlen», wollte ich noch sagen, doch Gion Wayne hatte bereits zugelangt.

Lässig den Daumen in eine Gurtschlaufe gehängt, schlenderten wir die Mainstreet hinunter und klopften ... nein, eben nicht bei den lokalen Hotels an. Die hätten uns glatt an den Dorf-Sheriff, oder noch schlimmer, an die Eltern ausgeliefert. ­Also ritten wir hinunter ins Nachbardorf. Gion-Gieri gab sich als Sohn des Bauern Cadruvi aus, murmelte etwas wie «von der Mutter geschickt», von «blöden Hühnern, die wie verrückt legen», davon, dass sie darum günstig seien und die Mutter froh wäre, wenn … Als wir unsere Stahlrösser wieder den Berg hochschoben, hatten wir drei Franken, ich ein schlechtes Gewissen und Gion-Gieri schon neue Pläne.

Im Dorf gab es damals etwa 12 Bauernhöfe, ebenso viele Hühnerställe und mit der Zeit wunderten sich die Bäuerinnen, warum die Hühner so wenig Eier legten. Und dann, eines Tages … passierte gar nichts. Wir hörten nach ein paar Raubzügen einfach auf, wir waren über das Eierdiebalter und das John-Wayne-Gehabe hinausgewachsen. Für einmal endeten Gion-Gieris verrückte Ideen nicht mit ­gebrochenem Mutterherzen und Vaters Schlägen. Denn ausser dass uns nach den Besuchen im Hühnerstall neben dem schlechten Gewissen auch mal die Läuse bissen, oder dass wir mit dem Eiergeld den Kaugummi-Bärendreck-Sugus-Umsatz des lokalen Kiosks ankurbelten, hatte die Stehlerei keine Folgen. Nicht einmal der ­alte Pfarrer hat mir im  Beichtsuhl eine seiner berüchtigten Strafen aufgebrummt. Ich hatte mindestens mit fünf Rosenkränzen gerechnet. Doch der nicht immer so ehrwürdige Herr brachte keinen gescheiten Ton heraus: Vor lauter unterdrücktem Lachen ist er hinter dem kleinen Gitterlein fast erstickt. 

Eier pochieren, auf einen mit Salat belegten Toast setzen, aufschneiden, damit das noch flüssige Eigelb austreten kann, mit Salz, Pfeffer und frischem Schnittlauch garnieren.

Wie man ein Ei pochiert zeigt Ihnen unsere Köchin Claudia Stalder im Video-Rezept «Pochiertes Ei auf Spinat mit Fladenbrot».

 

Wie der Hase zu den Eiern kam

Heutzutage weiss man ja, dass der ­Osterhase die Eier legt. Doch es war ja nicht immer so. In früheren Jahrhunderten war es mal der Storch, in Teilen Deutschlands gar der Fuchs und in diversen Kantonen der Kuckuck. Und wie kamen die Menschen auf den ­Hasen? Böse Zungen behaupten, dass die Bäcker ein Osterlämmlein backen wollten. Aber irgendwie sollen sie das nicht wirklich hingekriegt haben. Der Teig war zu wässrig, sank in sich zusammen und das Lämmlein hatte plötzlich lange Ohren: Der Osterhase war geboren.

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Montag 12.03.2012, 11:32 Uhr

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