Ein eingespieltes und vertrautes Team: sehbehinderter Mensch und sein Blindenführhund.

Ausser Dienst im Dienst

Führhunde sind eine grosse Hilfe für blinde Menschen. Doch irgendwann werden sie zu alt für ihre Aufgabe. Der alte Blindenhund Max aber hat seine frühere Arbeit nicht vergessen.

Der Blindenhund Max konnte nach vielen erfüllten Arbeitsjahren in Pension gehen. Er wurde bei einer Halterin mit Hund platziert. Und die beiden brachten ihm mit viel Liebe das Leben ohne Arbeit näher. Mit seinem neuen Leben hatte Max zuerst etwas Mühe. Doch nach und nach begriff er, dass er nicht mehr führen musste.

Auch genoss er die vielen Spaziergänge mit Spielen und das Baden im nahen Bach. Sein Hundekollege zeigte ihm auch, was das arbeitsfreie Hundeleben sonst noch zu bieten hatte: lange schlafen, einfach mal nur herumschnüffeln und auch ein wenig nicht folgen. Seinen früheren blinden Besitzer vermisste er ebenfalls. Doch er durfte ihn immer wieder besuchen. Mit der Zeit freute Max sich schliesslich auch, wenn er nach dem Besuch wieder zu seiner neuen Besitzerin nach Hause kam.

Blindenhunde werden bereits als Welpen ausgesucht. Nach einer ersten Lebensphase in einer Gastfamilie wird der Junghund in der Blindenhundeschule ausgebildet. Dabei lernen sie Hindernisse zu erkennen und anzuzeigen und Dutzende Orte auf Befehl aufzusuchen. Die Hunde begreifen, dass ihr Halter blind ist. Viele ausgebildete Führhunde passen auch ausserhalb ihrer Arbeit mit Führgeschirr auf ihren Besitzer auf.

Eines Tages ging der alte Max mit seiner Besitzerin spazieren. Dabei liefen sie zusammen mit einer blinden Frau, die ihrerseits ihren Blindenhund im Führgeschirr hatte. Die Spaziergänger kamen an einen Randstein. Beide Hunde blieben sofort bei der blinden Frau stehen und zeigten das Hindernis an. Diese tastete mit ihrem Stock die Stufe ab und stieg hinunter. Dann, nach mehreren Schritten, zeigten beide Hunde erneut ein Hindernis an.

Die Anwesenheit des anderen Blindenhundes hatte den alten Max an seine ehemalige Arbeit erinnert. Kaum im Park, blieben beide Hunde wieder stehen. Doch nach dem Ableinen liefen sie voraus und spielten wie junge Hunde. Als der Weg aber eine Kurve machte, waren beide Hunde zur Stelle und kontrollierten, dass ihre Besitzer auch den Weg nicht verliessen, um dann weiterzuspielen.

Der alte Max hatte seine früheren Aufgaben nicht verlernt. Mehr noch, er erkannte den Unterschied zwischen blinden und sehenden Menschen.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Montag 12.03.2012, 12:21 Uhr

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