Unfreundliche Übernahme

In der Wohnung eines Katzenbesitzers hängt der Haussegen schief: Seine beiden geliebten Katzen sind plötzlich unsauber. Es findet sich kein gesundheitliches Problem – dafür ein anderes.

Die beiden Katzen hatten sich eigentlich nicht verändert. Sie waren wie immer: eine etwas mager, mit strubbeligem Fell, die andere leicht übergewichtig und leicht reizbar. Und beide sassen immer noch gerne auf der Veranda. Dem Besitzer war aber aufgefallen, dass eine seiner beiden Katzen mehr pinkelte als sonst. Die Katzentoiletten waren viel schneller vollgepinkelt. Als auch noch sein Sofa eines Tages verpinkelt wurde, kam er mit beiden Katzen in die Praxis.

Welche war der Pinkler, und wieso? Es kamen viele mögliche Erkrankungen infrage. Beide Katzen verhielten sich beim allgemeinen Untersuch unauffällig. Als Erstes probierten wir, etwas Urin zu gewinnen. Da Katzen nicht gerne auf Befehl pinkeln, wollten wir sie katheterisieren. Beide Kätzinnen wehrten sich aber vehement. Danach griff ich zur Nadel. Mit einem feinen Piekser entnahm ich beiden etwas Urin, indem ich durch die Bauchwand stach. Obwohl das schmerzhafter aussieht, liessen es die beiden Kätzinnen über sich ergehen, ohne sich zu wehren.

Der Urinuntersuch brachte – nichts zutage. Dann wurde beiden noch Blut entnommen und – wieder nichts. «Eigentlich sollte ich glücklich sein, dass beide Katzen nicht krank sind. Doch ich kann Ihnen leider nicht sagen, was ihnen fehlt. Ich finde einfach nichts», erklärte ich nach all den Untersuchungen dem Besitzer. Ich gab ihm noch Tipps mit, worauf er achten solle, und schickte die drei nach Hause.

Nach zwei Wochen war ein etwas entnervter Besitzer wieder mit den Katzen in der Praxis. Immer noch würden sie viel pinkeln. Diesmal waren neben dem Sofa auch der Teppich und die Zimmerecken Opfer der Pinkeleien. Auch ein erneuter Urinuntersuch brachte nichts zutage. Etwas nervös durchleuchteten wir die nähere Katzenumgebung. War am Futter etwas nicht in Ordnung? Hatten sie Stress mit anderen Katzen? Da horchte der Besitzer auf. «Ich finde immer wieder orangefarbene Katzenhaare in der Wohnung. Glauben Sie, dass eine fremde Katze ein- und ausgeht?»

Da der Besitzer ein Computerfreak war, verkabelte er seine Wohnung. Webcams wurden installiert und von seinem Arbeitsplatz aus observierte er seine Couch. Tatsächlich! Kaum war er aus dem Haus, versteckten sich seine zwei Kätzinnen panisch. Dann schlich eine grosse, rote Katze in die Wohnung, schnüffelte herum, frass und pinkelte überall hin! Diese Katze wollte offensichtlich die Wohnung für sich erobern. Sie versuchte, die zwei alten Damen wegzujagen. Beim dritten Besuch war die «Therapie» einfach. Die Katzen erhielten einen Chip, damit der Besitzer eine elektronische Katzentüre montieren konnte. So musste in Zukunft der rote Kater draussen bleiben!

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Freitag 23.03.2012, 09:48 Uhr

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