Perfekte Erholung

Er reisst an, dass auch sie reist.

Steven Schneider: In diesem Jahr gönne ich mir ein paar familienfreie Phasen. Es ist wichtig, auch mal ohne Frau und Kinder etwas zu unternehmen.
Zum Glück ist Schreiber da tolerant und findet es in Ordnung, wenn ich mit Freunden aus alten Tagen eine fünftägige Retraite mache. Männerferien, die perfekt werden, das weiss ich jetzt schon. Um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen – ich am Entspannen, sie zu Hause am Rackern mit Kindern, Hund, Haus, Garten und so weiter –, und weil ich der Meinung bin, dass auch Schreiber eine Auszeit gut tut, ermuntere ich sie ebenfalls zu einer Reise.
«Du könntest ein paar Tage in Ruhe schreiben. Deine Schwägerin war in Marokko, das wäre vielleicht auch was für dich, gönn’ dir das», schlage ich vor.
«Oder fahr eine Woche ins Engadin. Oder besuche deine Verwandten in Berlin. Nimm eine Freundin mit, wenn du willst, ich krieg das hier mit den Kindern schon hin.»
Während ich leidenschaftlich die Ferienplanung für meine Frau an die Hand nehme, sitzt sie unbeteiligt da und reagiert auf keinen meiner Vorschläge. Sie schweigt stattdessen und blickt ins Leere.
Hm, ein wenig kooperieren sollte sie schon, sonst werde ich mein schlechtes Gewissen nie los!

Sybil Schreiber: Schneider legt sich mächtig ins Zeug, um mir eine Auszeit schmackhaft zu machen. Was ja liebens- und lobenswert ist: Mein Mann gönnt nicht nur sich Erholung, sondern auch mir. Nur: Ich will weder nach Marokko noch Wellness und auch nicht nach Berlin. Ich weiss genau, was ich will, doch Schneider soll munter weiterplanen, bevor ich ihm von meinem perfekten Auszeit-Wunsch erzähle. Soll er sich nur schuldig fühlen, wenn er mit seinen Kumpels verreist. Nun sagt er was von Yoga-Wochen in Griechenland.
Genug, ich greife ein: «Ich wünsche mir einfach mal Ferien daheim. Mit den Kindern. Aber ohne dich.» Schneider stutzt: «Wie, ohne mich?»
«Wenn du weg bist, kann ich in aller Ruhe in den Zimmern werkeln, mit den Mädchen abends auf dem Sofa Filme schauen und gleichzeitig essen, auch wenn im Wohnzimmer noch das blanke Chaos herrscht.»
«Bin ich so streng?», fragt er ernst. Ich nicke: «Alleine bin ich viel lockerer. Dann bin ich nämlich genau so, wie du und die Mädchen mich am liebsten haben: entspannt, locker, lustig.»
Er lächelt: «Da will ich aber dabei sein!»
Ich sage: «Pech gehabt, mein Lieber. Aber wir werden an dich denken, wenn du mit deinen Kumpels in die Ferien musst.»

(Coopzeitung 13/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 23.03.2012, 11:22 Uhr

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