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Die Triathletin Nicola Spirig konzentriert sich in diesem Jahr voll und ganz auf die Olympischen Spiele in London.

«Olympia steht im Mittelpunkt»

Nicola Spirig bereitet sich auf ihre dritten Olympischen Spiele vor. Die Triathletin kann es in London aufs Podest schaffen. Neben dem Wettkampf zählt für sie aber vor allem die Freude an der Bewegung.

Coopzeitung: Während der Olympiavorbereitung bleibt Ihnen gerade einmal Zeit für einen kurzen Heimatbesuch im ZürcherUnterland. Wie viel Privatleben lässt der Profisport überhaupt noch zu?

Nicola Spirig: Das Training bestimmt jetzt und in den kommenden Monaten den Tagesablauf schon sehr. Es beginnt bereits früh am Morgen. Während unseres Trainingslagers in Australien, wo jetzt der Sommer zu Ende geht, fangen wir bereits um sechs Uhr an. Um die Zeit ist es dort noch nicht so heiss. Am Abend bin ich dann richtig müde, und an Ausgang ist gar nicht mehr zu denken. Da mein Partner Reto Hug ebenso intensiv trainiert, ist dies aber für uns beide kein Problem. Wenn wir hier in der Schweiz trainieren, haben die Freunde dafür auch Verständnis – deshalb sind es ja Freunde. Und die Trainingseinheiten sind ja auch nicht immer so intensiv wie gerade jetzt.

Was machen Sie, wenn der Zeitplan Ihnen einmal mehr Freiraum lässt?
Ich geniesse es, wenn ich Zeit mit der Familie verbringen kann, mit Eltern, Geschwistern und ihren Kindern. Aus- serdem war da ja auch noch das Studium: 2008 bin ich nach den Olympischen Spielen in Peking erst einmal wieder an die Uni gegangen, um die Abschlussprüfungen vorzubereiten. Ich treibe aber auch in solchen Zeiten viel Sport und freue mich, dass ich dann wieder einmal etwas anderes machen kann, zum Beispiel Basketball spielen oder Ski fahren. Aber am liebsten laufe ich jedoch, und ohne die Konzentration auf einen bevorstehenden Wettkampf kann ich es noch viel mehr geniessen, unbeschwert in der Natur unterwegs zu sein.

Zum Triathlon gehören auch Schwimmen und Radfahren. Das liegt Ihnen weniger?
Das Schwimmen ist für mich sicher die schwierigste der drei Disziplinen. Es kommt gleich am Anfang des Triathlons, wenn alle Teilnehmerinnen nach dem Start noch dicht beieinander sind. Man kann da im Wasser bereits das ganze Rennen verlieren, wenn man sich nicht durchsetzt. Später beim Radfahren und vor allem beim Laufen ist das Feld schon weiter auseinandergezogen. Und in diesen beiden Disziplinen habe ich generell auch die besseren Zeiten.

Womit motivieren Sie sich selbst, wenn Sie hinter der Spitze zurück liegen?
Das gehört für jeden Ausdauersportler zum Training: Man muss einfach lernen, immer weiter zu kämpfen und sich niemals aufzugeben, auch wenn es für einmal nicht optimal läuft. Denn schliesslich kann die Konkurrentin, die in diesem Moment noch vor einem liegt, im nächsten Augenblick Probleme bekommen oder sogar noch kurz vor dem Ziel plötzlich einbrechen.

Was hat Sie eigentlich dazu gebracht, diesen doch recht extremen Sport zu wählen?
Als ich meinen ersten Triathlon absolviert habe, war ich zehn. Doch damals war das noch kein klares Ziel, auf das ich mich konzentriert hätte. Über die Leichtathletik bin ich dann zum Duathlon gekommen – die Kombination von Laufen und Radfahren. Dann kam noch das Schwimmen dazu. In unserer Familie hatte der Sport einen grossen Stellenwert. Die Eltern sind beide Sportlehrer, und sie haben uns Kindern viel beigebracht. Jedoch haben sie dabei weder mich noch meine Geschwister in irgendeine bestimmte Sportart gedrängt. Und das war auch gut so. Eltern sollten generell ihre Kinder nicht zu sehr pushen, sondern ihnen lieber zeigen, wie viele Möglichkeiten es gibt. Auf diese Weise entsteht viel eher eine positive Einstellung zum Sport.

Als Spitzensportlerin haben Sie auch Vorbildfunktion. Wie gehen Sie damit um?
Das nehme ich sehr ernst. Es gibt immer wieder Begegnungen mit Kindern, beispielsweise in Schulen oder in Vereinen. Ich hoffe, ich kann die Freude an der Bewegung bei solchen Gelegenheiten weitergeben.

Was ist Ihr persönliches Ziel für London?
Als Sportlerin möchte man jedes Rennen gewinnen. Und eine Medaille bei den Olympischen Spielen ist wohl das Grösste für einen Athleten. Olympia steht dieses Jahr eindeutig im Mittelpunkt, auch wenn es mich natürlich freuen würde, wenn ich vorher wieder die Europameisterschaft gewinnen könnte, nachdem ich den Titel im vergangenen Jahr wegen meiner Verletzung nicht verteidigen konnte.

Und wie geht es für Sie nach Olympia weiter?
Im Ausdauersport gibt es für mich sicher noch einiges zu erreichen. Und später kann ich auf mein Studium aufbauen. Ich weiss noch nicht genau, in welche Richtung ich gehen möchte, aber ein Bereich, wo sich Jus und Sport miteinander verbinden lassen, wäre sicher sehr spannend.

Nicola Spirig

Beruf: Sportlerin und Juristin
Geburtsdatum: 7. Februar 1982
Werdegang: Von ihrem Vater trainiert, absolviert sie ihren ersten Triathlon als 10-jährige Schülerin. Nationale wie internationale Erfolge als Leichtathletin (u. a. Crosslauf). An den Credit Suisse Sports Awards 2001 als beste Newcomerin ausgezeichnet.
Neben dem Leistungssport Abschluss des Jus-Studiums 2010.
Unter dem australischen Trainer Brett Sutton erreicht sie die Weltelite der Triathlon-Profis. Nach einer Verletzung (Ermüdungsbruch) 2011 geht es jetzt darum, die Qualifikation für das Schweizer Olympia-Team 2012 zu bestätigen und sich optimal auf London vorzubereiten. Grösste Triathlon-Erfolge: Juniorenweltmeisterin 2001. Platz 19 an den Olympischen Spielen in Athen 2004, Platz 6 in Peking 2008. Europameisterin 2009 und 2010, Vizeweltmeisterin 2010.
Aktuell: Trainingslager in Australien
www.nicolaspirig.ch

Weitere Antworten von Nicola Spirig

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

Ein Buch von Sonja O’Sullivan, einer ehemaligen Läuferin.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Mich beeindrucken gute Leistungen im Sport, von verschiedensten Athleten. Spezielle Vorbilder an sich habe ich keine.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Hier in Australien haben wir drei „Movie Channels“ im TV, es kommen also dauernd Filme. Z.B. «The Fighter».

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?

«Forest Gump» ist einer meiner Lieblingsfilme.

Was für Musik hören Sie gerade?

Das kommt darauf an, bei schnellen Trainings andere als bei lockeren Trainings

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Ich nehme lieber eine Person mit

Was kochen Sie selbst?

Ich koche viel selbst, zusammen mit meinem Partner Reto Hug, am liebsten aber backe ich.

Ihre Lieblingsspeise?

Das ändert oft, aber ein gutes Stück Fleisch oder Spaghetti mag ich immer. Und Schockolade natürlichJ

Ihr Lieblingsgetränk?

Einen Mango-Shake aus reifen Mangos in Thailand.

Mit wem essen Sie am liebsten?

Mit Familie und Freunden

Und wo essen Sie am liebsten?

Draussen an der Sonne

Mac oder PC?

Mac

Auto oder Zug?

Velo

Wein oder Bier?

Wein

Pasta oder Fondue?

Pasta

Joggen oder Walken?

Laufen

Berge oder Meer?

Am liebsten beides, sonst Berge.

Wie bringt man Sie zum Lachen?

Wenn unser Coach gewisse Schwimm- oder Laufstile von Athleten nachahmt

Welches Tier wären Sie am liebsten?

Das kommt ganz auf Stimmung und Situation darauf an

Wovon träumen Sie?

Von den Olympischen Spielen in London

Was ist für Sie das grösste Glück?

Gesundheit, Familie und Freunde

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Martin Winkel

Redaktor



Foto:
Justin Hession
Veröffentlicht:
Montag 26.03.2012, 16:30 Uhr

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