Ein schöner Hund: Den Eurasiern sagt man aber auch nach, dass sie etwas dickköpfig sind.

Ein Halter stellt auf stur!

Gelenkbeschwerden können für Hunde sehr schmerzhaft werden. Doch der Besitzer eines alten, lahmen
Eurasiers setzt sich durch: «Mein Hund will nicht sterben!»

Der alte Eurasier lahmte immer wieder. Vor allem das Aufstehen machte ihm Mühe. Zwei-, dreimal versuchte er es, bis er schliesslich stand. Manchmal versagten ihm die Beine auf dem glatten Boden und er fiel erneut um. Auch beim Spazierlaufen trippelte er nur kurz neben dem Besitzer her und wollte bald wieder nach Hause zurück. Zum Glück gab es eine spezielle «Hundetour», auf halber Strecke befand sich ein Gasthof. So konnte der Besitzer auf halbem Weg einkehren. Sein Hund lag dann jeweils erschöpft unter dem Tisch. Alle Kollegen mahnten ihn, seinen Hund doch endlich einzuschläfern. Nur, der Besitzer brachte es nicht übers Herz: «Sein Kopf will noch, was kann er dafür, wenn der Körper nicht mag?» Immer wieder kam er in die Praxis. Wir testeten alle gängigen Schmerzmittel aus, mit wechselndem Erfolg.

Schliesslich meinte ich verzweifelt, wir sollten Röntgenbilder erstellen, um diese Lahmheit zu dokumentieren. So könnte man das Fortschreiten verfolgen. Auf dem Röntgentisch musste ich mehrmals die Lage des Hundes ändern. Ich hatte die grösste Mühe, seine unbeweglichen Gelenke überhaupt auf die Platte zu projizieren. Die Radiologin, welche die Bilder für mich auswertete, rief an. Ob ich sie auf den Arm nehmen wolle? Solche Gelenke seien unbeweglich, der Hund eigentlich nicht gehfähig! Therapie? Keine!

Etwas ernüchtert besprach ich mit dem Besitzer die Bilder. Wir sprachen lange über die Lebensqualität und die Therapiemöglichkeiten, denn der Hund war schon sehr alt. Aber sein Halter blieb stur: «Mein Hund will nicht sterben! Sie müssen ihm etwas geben.» Mir fiel ein, dass auch die Rasse seines Hundes, der Eurasier, etwas dickköpfig sein kann. Ich überlegte lange. «Mit Cortison haben wir es noch nicht ausprobiert. Bei so alten Hunden kann es jedoch arge Nebenwirkungen haben. Wollen Sie das Risiko eingehen?»

Der Besitzer redete zunächst von Teufelszeug, stimmte dann aber zu. Was blieb ihm auch anderes übrig? Ich spritzte dem Hund das Cortison und hatte Mühe, einen Muskel zu ertasten, war er doch vom vielen Lahmen ganz mager. Der Besitzer versprach mir, sich in zwei Wochen zu melden. Anstatt anzurufen, kam er aber gleich selber vorbei. Sein Hund trabte lässig und nur ganz wenig hölzern an der Leine neben ihm her. Er sah gut aus. Ich erkannte ihn kaum wieder. Der Halter strahlte. «Dieses Teufelszeug hilft tatsächlich. Ich habe gewusst, dass man noch etwas machen kann!»

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Mittwoch 04.04.2012, 16:29 Uhr

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