Sie strahlen Frische aus die Sprossen und verleihen manchem Gericht das gewisse Etwas.

Sprossen: Kleine Wunder der Natur

Einmal zum Leben erweckt, sind sie nicht mehr zu bremsen. Gekeimte Samen und Kerne sind echte kleine Kraftpakete.

Von aussen sieht es nicht so aus, als ob noch Leben in ihnen wäre. Samen und Kerne können während Monaten oder sogar Jahren friedlich vor sich hinschlummern. Doch dann, plötzlich, werden sie aus ihrem Winterschlaf geweckt. Eine Dusche oder ein Bad im Wasser steht am Anfang. Wärme, Luft und Licht tun dann ihr Weiteres, bringen Energie und Leben.

Während die Samen keimen, passiert mit ihnen etwas Wundersames. Um die zarte Jungpflanze zu ernähren, finden im Samen verschiedene Umwandlungsprozesse statt. Der Gehalt an Fett und Kohlenhydraten nimmt ab, jener an Eiweissen nimmt zu. An Vitaminen enthalten die Sprossen um ein Vielfaches mehr als die ungekeimten Samen. Wahre Kraftwerke der Natur sind sie, diese Sprossen. Sie enthalten wichtige Aminosäuren, Spurenelemente, Ballaststoffe und Vitamine. Zudem sind sie reich an Enzymen und Antioxi-danzien und helfen, den Säure-Basen-Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Besonders viel pflanzliches Protein enthalten zum Beispiel die Sprossen der Mungbohne oder der Alfalfa-Pflanze, die wir auch unter dem Namen Luzerne kennen.

Doch nur weil etwas gesund ist, heisst das noch lange nicht, dass wir es auch essen mögen. Zum Glück haben die Sprossen noch viele andere gute Argumente. Erstens sind sie eine echte Augenweide. Wie Kinder, die das Laufen erst lernen müssen, wachsen sie leicht ungelenk mal nach links und mal nach rechts. So erhalten sie ihre gewundene, verspielte Gestalt. Nichts strahlt so viel Frische aus wie eine Handvoll fröhlicher Sprossen auf dem Salatteller. Einmal im Mund, bringen sie dann ihre inneren Werte zum Klingen. Je nach Sorte haben sie ein süssliches, scharfes oder eher neutrales Aroma. Kresse und Rucolasprossen etwa schmecken würzig-pikant, Rettich- oder Zwiebelsprossen wiederum sind leicht bitter. Und der Geschmack von Mungbohnen- und Alfalfasprossen erinnert an jenen von frischen Erbsen. Die meisten Sprossen können wir bedenkenlos roh verzehren – ja, wir sollen sogar! Denn als Rohkost schmecken sie am besten und liefern am meisten Vitamine und Mineralstoffe. Einige wenige Keimlinge enthalten aber unerwünschte Stoffe, die erst durch das Erhitzen zerstört werden. Deshalb sollten zum Beispiel die Sprossen von Sojabohnen oder Erbsen stets blanchiert werden.

Die Chinesen und Japaner wissen schon seit Jahrtausenden um den Wert von Sprossen. Bei uns hingegen galt jemand, der sich Sprossen aufs Quarkbrot streute, noch bis vor wenigen Jahrzehnten als seltsamer «Naturköstler». Mittlerweile haben die Keimlinge aber unsere Küchen erobert, sie verfeinern Salate, Wraps und Butterbrote. Beim Anblick von Sprossen rümpft heute also kaum mehr jemand die Nase – zum Glück!

Ob zum Zmorge, zum Znüni oder zum Zvieri; ein Zopf ist immer willkommen! Züpfe mit Konfitüre bestreichen oder mit Schinken oder Käse belegen und dazu ein Glas Milch trinken. Einfach und gut!

Fliessender Übergang

Wenn man es ganz genau nimmt, gibt es da noch diese Unterscheidung zwischen Keimlingen und Sprossen. Als Keimling bezeichnet man ihn ganz am Anfang, wenn aus dem befeuchteten Saatgut ein Keim herauswächst. Wird dieser Keim dann dem Licht ausgesetzt, bildet er Chlorophyll und verfärbt sich dadurch grün.

Sobald dann erste, zarte Blättchen vorhanden sind, spricht man von Sprossen. Umgangssprachlich macht man diese Unterscheidung aber selten, sondern nennt alle Keimlinge, egal, ob mit oder ohne Blätter, Sprossen. Bambussprossen hingegen gehören weder zu Keimlingen noch Sprossen im botanischen Sinne. Sie sind die jungen Schösslinge einer erwachsenen Pflanze, des Bambusrohrs nämlich.

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Nicole Hättenschwiler

Stv. Chefredaktorin

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Samstag 07.04.2012, 00:00 Uhr

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