Liebe (unter Hunden) ist … sich erst Mal richtig kennenlernen. Vielleicht wird ja was draus.

Der «Tattergreis» spürt den zweiten Frühling

Ist er ernsthaft krank, der alte Rüde? Nein, ist er zum Glück nicht. Aber warum nimmt er dann trotzdem ab? Die Antwort ist alles andere als naheliegend.

Der alte Rüde hatte abgenommen. Die Besitzerin war voller Angst. «Sorro ist in der Wohnung so nervös. Er läuft von einer Ecke in die andere und fiept. Auch will er nichts fressen!» Ich untersuchte ihn. Hatte er Bauchschmerzen? Konnte er wegen Rückenschmerzen nicht liegen? War etwa eine Atemnot der Verursacher dieser Nervosität?

Auch nach einer Blutuntersuchung und einem Röntgen stand fest: Ich konnte nichts finden. Herz und Lunge waren in Ordnung, sein Blutbild entsprach dem eines alten Hundes und auch sein Hals, das Schlucken und Trinken gingen normal. Sorro konnte essen, er wollte nur nicht. Wir versuchten mit verschiedenen Futtermitteln, Fleisch und Dosenfutter, doch nichts half. Sorro nahm ab. Auch ein Mästen mit Butterbroten verweigerte er. Verzweifelt kam Sorros Besitzerin nochmals in die Praxis. Auch beim zweiten Mal fand ich einen gesunden Hund vor. Etwas ratlos besprachen wir die weiteren Möglichkeiten. Soro sass erst brav neben Frauchen, dann liess sie die Leine los. Aufgeregt schnüffelte Sorro in der Praxis herum. «Wieso aber tigert er in der Wohnung herum und frisst nichts?» Sorro schnüffelte nun ganz aufgeregt in einer Ecke. Dann begann er zu zittern und aufgeregt zu lecken. Hatten wir nicht heute Morgen eine läufige Hündin zu Besuch gehabt? Sie hatte genau in dieser Ecke gesessen, wo Sorro jetzt zitterte und leckte.

Mir ging ein Licht auf. Sorro war verliebt! Ich fragte die Besitzerin: «Weint er zu Hause vor der Türe? Und kaum sind sie draussen, tut er so, als wisse er nicht, warum sie nach draussen sind?» Die Besitzerin bejahte. Auch würde er unendlich lange schnüffeln und immer wieder markieren, aber nicht so, als ob er es eilig hätte! Endlich hatte ich die Diagnose: Sorro war verliebt. Die Besitzerin wollte nicht warten, bis der Frühling vorbei war. Sie hatte Angst, dass Sorro noch weiter abnehmen würde, was in seinem Alter nicht gesund war. Auch meinte sie, es wolle eh keine läufige Hündin diesen alten Tattergreis. Neulich habe er eine gefunden, die ihn barsch abgewiesen hatte. Sorro war nicht nur verliebt, er war unglücklich verliebt.

Wir wollten ihm helfen. So erhielt er eine Spritze. Nach und nach beruhigte er sich. Spaziergänge waren wieder zum Spielen da, sein Bettchen zum Schlafen und er frass wieder und nahm zu. Die läufigen Weibchen aber behielt er genau im Auge. Wusste er, dass nach wenigen Monaten die Spritze nicht mehr wirken würde?

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Freitag 13.04.2012, 09:27 Uhr

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