Jochen, Jim und Jo

Er ist in Fahrt – drum fährt sie!

Steven Schneider: Ich habe noch lange geplaudert, während Schreiber im Auto wartete. Kleines Missverständnis, aber sie macht ein Drama draus.
«Und du hast zu viel getrunken!», sagt sie, worin der Vorwurf steckt, dass sie nun fahren müsse, wo sie doch so müde sei. Ich hingegen bin nicht müde. War lustig, die Plauderei, und die eine Zuhörerin hat mir sogar offenbart, dass sie gern Formel-1-Rennen schaue.
Schreiber spurt im Schneckentempo auf die Autobahn. Ob Michael Schumacher seine Frau auch ans Steuer lässt?
Schreibers Gähnen macht mir klar, was nun mein Job ist: sie wach halten. «Schumacher war sieben Mal Weltmeister», sage ich, «trotzdem fährt er weiter». Sie nickt. Super!
Beim Thema Formel 1 stellt sie sich sonst immer scheintot. «Warum lässt seine Frau das überhaupt zu, dass er wieder fährt?», fragt sie.
Ich höre echtes Interesse in Schreibers Worten und packe meine Chance, aus 35 Jahren Formel-1-Leidenschaft zu erzählen, schöpfe aus meinem grandiosen Fundus von Anekdoten, rede von Jim Clark, von Jo Siffert und Jochen Rindt. Die Zeit vergeht wie im Flug. Als wir zu Hause ankommen, stellt Schreiber den Motor ab, strahlt mich an und meint: «Hast du was gesagt?»

Sybil Schreiber: Mitternacht! Wir kehren von einer Lesung in Graubünden zurück. Da Schneider nach dem Auftritt den reichlich bereitstehenden Weisswein beinahe allein ausgetrunken hat, sitze ich am Steuer. So hatten wir das ausgemacht. Nicht aber, dass er der Letzte ist, der das Foyer verlässt.
Die Strassen sind leer und Schneider erzählt, dass er sich mit der einen Zuschauerin über die Formel 1 unterhalten konnte. Schön für ihn, denke ich, und spure vorsichtig auf die Autobahn ein.
«Ganz schön dunkel», sage ich. Besorgt fragt Schneider, ob ich fit sei.
«Klar», antworte ich und unterdrücke ein Gähnen. Als ob wir die Wahl hätten!
Dann erzählt er mir von Michael Schumacher, der wieder Formel 1 fährt, was ich komplett bescheuert finde, denn der würde sich in seinem Alter besser um seine Familie kümmern.
Schneider spricht von der Sucht nach dem Sieg, dann liefert er mir ungefragt schauerliche Kurzbiografien von Männern, die zuerst gesiegt haben und dann im Auto verbrannt sind oder sich das Genick gebrochen haben. Ein Grund mehr, mich auf die Strasse zu konzentrieren.
Ich schalte mein Gehör in den Offlinemodus und blicke zur Uhr: noch eine Stunde bis zur schwarz-weiss karierten Flagge.

(Coopzeitung 16/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 13.04.2012, 10:58 Uhr

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