«Ich habe mich nicht angepasst»

Persönlich. Kassensturz-Moderator Ueli Schmezer veröffentlicht seine dritte Kinderland-CD. Warum Erwachsenwerden uncool ist und Kinder die strengsten Kritiker sind, erklärt er im Interview.

Coopzeitung: Sie fordern Ihr Publikum auf, jeden Tag mit einem Song zu starten. Was haben Sie heute gesungen?
Ueli Schmezer: (Lacht) Zur- zeit geht mir der «Chinds-chöpf» nicht aus dem Gring, weil ich mich darin erkenne. Gestern etwa, da kam während einer Sitzung fürs Fernsehen ein Helikopter angeflogen – und weg war meine Aufmerksamkeit.

Ein Kindskopf nimmt beim Kassensturz die Wirtschafts-Bösewichte ins Kreuzverhör?
Klar musste auch ich etwas erwachsen werden. Sonst kommt man in dieser Welt nicht durch. Aber ich verstehe Leute nicht, die meinen, sie müssen sein wie alle, und um erwachsen zu werden, Dinge aufgeben, die sie zwar mögen, die aber nicht mehr altersgemäss scheinen. Erwachsen werden ist ein anderer Ausdruck für angepasst werden. Und das ist definitiv uncool. Warum müssen alle dasselbe machen?

Warum machen bald alle Mundart-Sänger Kindermusik?
Ich habe mich nicht einem Modetrend angepasst. Ich feiere ja nun mein 10-Jähriges als Kindermusiker. Das kam bei mir mit dem Vaterwerden ganz automatisch. Aber es stimmt, es gibt immer mehr Musik für Kinder. Und man kann auch sagen, dass definitiv nicht alles davon gut ist.

Kindermusik ist heute ein einträgliches Business. Die marktführenden Festivals binden die Bands mit Knebelverträgen an sich. Bildet sich da ein Kinder-Kartell?
Ich weiss nicht, was andere für Verträge unterzeichnen. Die Kinderland-Festivals, an denen ich spiele, organisiert ein alter Freund. Ich habe gar keinen Vertrag. Ich würde mir da auch nichts bieten lassen! Aber ich muss auch nicht von der Musik leben. Für mich ist die Musik einfach wichtig als Ausgleich. Es gibt wenige so intensive Momente im Leben wie beim Musikmachen.

Unterscheiden sich Ihre Emotionen, ob Sie mit Ihrer Rockband Schmezer, der Mani-Matter-Hommage «MatterLive» oder der Kinderband spielen?
Die Rockband ist anders als «MatterLive» und die Kinderband ist sowieso das Intensivste und Strengste überhaupt.

Warum?
Weil Kinder sofort weg sind, wenn es ihnen nicht gefällt. Ein Erwachsener, der 35 Franken Eintritt bezahlt hat und Mitte Konzert enttäuscht ist, bleibt, in der Hoffnung, es komme noch besser und am Schluss werde endlich sein Lieblingssong gespielt. Darum klatscht er brav und anständig, auch wenn es ihm nicht gefällt.

Mit «MatterLive» huldigen Sie dem «Godfather of Mundart» Mani Matter. Er erreichte mit denselben Texten Kinder wie Erwachsene. Streben Sie das auch an?
Ich pflege keine Kindersprache mit Chäferli und Müsli, sondern singe Klartext. Man kann mit Kindern ganz normal sprechen, ohne das Du-du-duli, und ist trotzdem auf ihrer Ebene. Und klar, auch den Eltern will ich teilweise etwas mitgeben. An unseren Konzerten gibt es Momente, wo die Kinder lachen und Momente, da lachen die Erwachsenen. Das ist gut so. Die CD soll die Eltern auf der Familienfahrt nach Südfrankreich ja nicht in den Wahnsinn treiben.

Es gibt immer mehr Musik-Bibliotheken im Internet, wo dem Konsumenten vorgegaukelt wird, der Urheber der Songs bekomme eine faire Entschädigung?
Da habe ich echt ein Problem mit der Grundhaltung vieler Leute – unabhängig von der Generation. Man hat sich daran gewöhnt, dass man im Internet alles frei bekommt. Das ist nicht korrekt. Wer gratis runterlädt, müsste wenigstens den Mut aufbringen, in ein Plattengeschäft zu gehen und auch dort Musik zu klauen. Es ist ja eigentlich dasselbe. Im Netz ist es bloss einfacher und feige. Aber als Musiker darf man ja nichts sagen, weil man sich dann mit den Fans anlegt. Nur was sind das für Fans, die ihre Helden betrügen? Klar hat ein Star wie Lady Gaga genug Geld. Aber es geht ja auch keiner mit dem Argument in den Garten von Daniel Vasella und stiehlt ihm einen Zwerg. Das geht einfach nicht! Die Urheberrechts-Optik im Internet ist zurzeit sehr verschoben. Die jetzige Diskussion bringt hoffentlich eine Normalisierung.

Da werden Sie vom Konsumentenschützer zum Anwalt der Musiker?
Konsumenten schützen heisst nicht, der Konsument hat immer recht! Das muss ich mal ganz deutlich festhalten. Ein Konsument hat auch Pflichten. Er muss zumindest schnell durchlesen, was er kauft. Es reicht nicht, immer nur zu klagen: Ich bin ein Armer! Die allermeisten Leute sind nicht blöd und sie haben genügend Zugang zu Quellen, um sich ausreichend zu informieren, was sie kaufen oder eingehen. Am Beispiel der Musik muss ich sagen: Auch ein Konsument darf nicht einfach stehlen. Bei anderen Sachen macht er das ja auch nicht.

Ueli Schmezer

Geburtstag: 22. Juli 1961
Zivilstand: verheiratet, 3 Söhne
Wohnort: Bern
TV-Karriere: Seinen ersten Auftritt beim Schweizer Fernsehen hatte Ueli Schmezer 1983 als Mundart-Rapper. Das Mikrofon legte er nicht mehr aus der Hand, wechselte jedoch die Rolle und wurde Moderator diverser Sendungen (unter anderem Time Out, Zischtigsclub). Heute ist er als Gesicht des Kassensturz bekannt.
Musik: 2001 veröffentlichte Schmezer sein erstes «Chinderland»-Album. Ein weiteres Kinderalbum folgte, plus zwei Scheiben mit der Mani-Matter-Hommage «MatterLive» und eine CD seiner Rockband Schmezer. Mitte Mai folgt «Chinderland3». Auf der Bühne kann man Ueli Schmezer schon vorher erleben. Mehr Infos auf: www.uelischmezer.ch

Weitere Antworten von Ueli Schmezer

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Schluss mit dem Wachstumswahn von Urs P. Gasche

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Menschen, die ohne viel Aufhebens eine Tätigkeit ausüben, die der Allgemeinheit dient

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Gangs of New York

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Der Pate

Was für Musik hören Sie gerade?
Reto Burrell

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Lieber eine Gitarre

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Lieber zusammen jammen: mit Brian Adams.

Was kochen Sie selbst?
Salat

Ihre Lieblingsspeise?
Gschwellti mit Käse

Ihr Lieblingsgetränk?
Kaffee

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meinen Liebsten

Und wo essen Sie am liebsten?
An einem gemütlichen Tisch in einer ruhigen Ecke

Mac oder PC?
PC

Auto oder Zug?
Vor allem Zug

Wein oder Bier?
Sowohl als auch

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Gemeine Frage

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Im Traum vor ein paar Tagen

Wovon träumen Sie?
Dass die Menschheit die Kurve kriegt

Was ist für Sie das grösste Glück?
Zeit haben und mit Menschen zusammen sein, die ich liebe

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Text: Oliver Joliat



Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Mittwoch 18.04.2012, 17:00 Uhr

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