Und jetzt?

Er vergibt kläglich, sie vergibt ihm dennoch.

Steven Schneider: «Vergiss es!», klingt es von der anderen Bettseite herüber. Mist! Mist! Mist! Ich verabschiede mich von der Vorfreude, die an diesem Sonntagmorgen so plötzlich aufgekommen war. Der Grund: Unsere Kinder hatten am Vorabend spontan entschieden, bei Freundinnen zu übernachten, also waren wir jetzt allein.
Das hatte mich gleich nach dem Aufwachen auf eine sehr sinnenfreudige Idee gebracht. Dummerweise steuerte ich nicht gradewegs auf diese zu. Ich war mir der Sache zu sicher und erwähnte unvorsichtigerweise, dass Schreibers Schnäppchenkauf vom letzten Herbst ein Flop war – die Möbel auf der Veranda hätten unmögliche Masse und die Qualität sei mies.
«Schade um das Geld», sagte ich zum Schluss. Ein Satz wie ein Abführmittel.
Wie kann man nur so blöd sein? Habe ich immer noch nicht kapiert, dass ein Vorwurf in einem solch entscheidenden Moment das Vergeben einer hundertprozentigen Torchance ist?
Mein letzter Versuch mit der Frage: «Und jetzt?» fruchtet auch nichts mehr.
Ich steige also aus dem Bett, um mit dem Hund in den Wald zu gehen und zu vergessen, was mit Schreiber Schönes möglich gewesen wäre.
Da sagt sie: «Warte!» Oh – bekomme ich doch noch eine Chance?

Sybil Schreiber: Natürlich war es ein Fehler, zu voluminöse Sessel für unsere Veranda zu kaufen. Zahlen und Masse sind nicht so mein Ding, aber der Preis war so verlockend.
Doch was hat Schneider davon, wenn er mir das ein halbes Jahr später unter die Nase reibt? Nichts – buchstäblich.
Und dennoch glaubt mein Miesepeter, der erwartungsvoll neben mir im Bett liegt, er könne mir zuerst ans Schienbein treten und dann ein Schäferstündchen abholen? Kann er vergessen!
Vielleicht wollte er mir mit seinem seltsamen Veranda-Exkurs bloss zeigen, dass er im Schlafzimmer auch an anderes denken kann, als nur an das eine. Ist ihm aber gründlich misslungen.
Dabei bin ich durchaus für einen gemütlichen Morgen zu haben. Nur spielt Schneider jetzt den total Beleidigten.
Wie der gucken kann! Armer Mann. Wenn er seinen Sprung ins Fettnäpfchen wieder wettmachen will, muss er sich schon was einfallen lassen. Doch Schneider schmollt, statt sich zu entschuldigen.
Er wirft demonstrativ die Decke zurück und steht auf. Schade. Vielleicht sollte ich ihm doch noch einmal den Ball zuspielen: «Warte!» Schneider strahlt erwartungsvoll.
«Könntest du Teewasser aufsetzen, wenn du in die Küche gehst?»

(Coopzeitung 17/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Mittwoch 18.04.2012, 14:48 Uhr

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