Kaninchen sind (auch) «Jöh-wie herzig»-Tiere. Vor allem Kinder sind ihrem Charme schnell erlegen.

Eins will nicht raus

Kaninchen versuchen, Krankheit und Schmerzen so lange wie möglich zu verbergen. Dieses hier kann auch das nicht mehr. Seine Augen sind stumpf, sein Leben in Gefahr.

Das Kaninchen sass zusammengekauert im Transportkäfig. Es hatte Junge zur Welt gebracht und seither ging es ihm nicht gut. Kaninchenjunge kommen – im Gegensatz zu Hasen – nackt und blind auf die Welt. Sie werden einmal täglich gesäugt und in der Zwischenzeit warm und gut versteckt in der Kaninchenhöhle eingebettet. Das Kaninchenweibchen ist in dieser Zeit draussen und hütet ihr Nest. Alle unsere Heimtiere sind Kaninchen.

Hasen hingegen sind Wildtiere und bewohnen keine Höhle. Sie gebären ihre behaarten, sehenden und fluchtfähigen Jungen in einer Feldmulde. Leider sind unsere Wildhasen selten geworden. Autos und Mähdrescher bedrohen sie. Auch leiden sie unter dem Mangel an Versteckmöglichkeiten in unserer verbauten Schweiz.

Ich untersuchte das Kaninchenweibchen und spürte, dass sie noch ein Junges im Bauch hatte. Offensichtlich konnte sie es nicht auf die Welt kriegen und deshalb hatte sie solche Schmerzen. Die Besitzer machten sich zu Recht grosse Sorgen. Ein Kaiserschnitt ist bei Kaninchen gewagt. Nicht nur, dass dieses Kaninchen für eine Narkose sehr geschwächt war. Es würde auch gerne an der Naht herumnagen. Das Junge im Bauch zu belassen wäre jedoch tödlich für die Mutter.

Die Kaninchenmama schaute mich stumpf an. Die Kinder meinten, es sei ihr Lieblingskaninchen und die Babys wären an Ostern zur Welt gekommen, also kleine Oster-Kaninchen. Ich versuchte es also mit Medikamenten. Sollte der Gebärmutterausgang gross genug sein, so könnte sich die Natur mit ein wenig Unterstützung selber helfen.

Wenn nicht, dann wäre das Leben dieses Kaninchens wirklich in grosser Gefahr. Mit einer stärkenden Traubenzuckerinfusion und Wehenmittel schickte ich das Weibchen wieder nach Hause. Mitten in der Nacht piepste mein Handy: eine erlösende SMS kam, dass das Baby geboren war. Ein schönes, verspätetes Ostergeschenk.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Mittwoch 18.04.2012, 15:02 Uhr

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