Zahnlos glücklich

Kater Leon hat Probleme mit seinen Zähnen: Sie sind in einem sehr schlechten Zustand. Das Zahnfleisch ist entzündet und Leon hat Schmerzen. Ihm steht eine grössere Behandlung bevor.

Eigentlich brachte sein Besitzer den dunkelgrauen Kater Leon nur zur Impfung vorbei. Er war spät dran, die Impfung wäre längst fällig gewesen. Zusätzlich untersuchte ich den Stubentiger, zum Glück war alles in Ordnung – alles, bis auf seine Zähne. Als ich sein Mäulchen öffnete, sah ich, dass sie mit Zahnstein behaftet waren. Auch hatte Leon eine fortgeschrittene Parodontose und viele Löcher. Offensichtlich litt er sehr, denn er versuchte immer wieder, sich meinem Griff zu entziehen. Und bei der geringsten Berührung seiner Zähne zitterte er vor Schmerzen. Diese empfindlichen Zähne mussten dringend gereinigt und saniert werden!

Da dies aber sehr schmerzhaft ist, brauchte der Kater eine Narkose. Ich vereinbarte mit dem Halter einen neuen Termin. Als er seinen Kater wieder mitbrachte, schien das Tier sehr ängstlich zu sein. Ich redete beruhigend auf Leon ein. Dank der Narkose würde er nichts spüren. Schon bald schlief der Patient tief und fest, wir machten ein Röntgenbild der Zähne und ich konnte mich an den Zahnstein wagen. Sorgfältig entfernten wir alle Zahnbeläge, dann mussten die schmerzhaften, löchrigen Zähne gezogen werden.

Diese Löcher entstehen durch die sogenannte Zahnkrankheit Forl, die Abkürzung für den etwas komplizierten Fachausdruck «Feline odontoklastische resorptive Läsionen». Dabei handelt es sich vermutlich um eine Autoimmunerkrankung, die durch schlechte Zahnhygiene begünstigt wird. Katzenzähne sind sehr dünn und spitz. Bei Löchern, die an den Zahnhälsen sitzen, ist ein Flicken kaum möglich, weshalb die Zähne entfernt werden müssen. Das ist bei Forl oft eine längere Prozedur, doch in der Regel erfolgreich. Und eine Katze kann auch ohne Zähne problemlos Futter aufnehmen. Sind die Zähne gezogen, ist die Katze bald schmerzfrei und frisst trotz fehlender Zähne sogar Trockenfutter mit Appetit. Und da Katzen glücklicherweise nicht in den Spiegel schauen, stören sie sich an fehlenden Zähnen nicht.

Zum Schluss erhielt der Kater eine Politur mit einer Spezialpaste für die verbliebenen Zähne. Normalerweise glänzen Katzenzähne dann wieder schneeweiss. In diesem Fall aber störte mich die hartnäckige, gelbe Zahnfarbe. Sie war nicht wegzupolieren. Ich überlegte mir, ob Leon als Baby Medikamente nehmen musste, welche seine Zähne verfärbten. Als der Halter seinen Kater abholte, fragte ich ihn danach. Und er hatte tatsächlich eine Erklärung: «Leon hat eine Eigenart, er schleckt immer meine leere Teetasse aus. Er muss also Teetrinkerzähne haben wie ich!» Dabei lächelte er mich an. Ich dachte mir, dass er sich ebenfalls einer grösseren Zahnbehandlung unterziehen könnte …

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 14:56 Uhr

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