Ein echter Gentleman

Der Rauhaardackel Röbeli gehört seit einiger Zeit zur Familie von Chantal Ritter. Er ist ein schon etwas älterer Hunde-Herr und ein Gentleman alter Schule. Nie verliert er seine Geduld und Freundlichkeit – im Gegensatz zu gewissen Menschen …

Es war wieder einmal ein Tag voller Überraschungen: Viele unvorhergesehene Termine brachten meinen sowieso schon dichten Zeitplan durcheinander. So blieb mir keine Zeit, mit meinem alten Dackel Röbeli seinen Lieblingsspaziergang entlang der Reuss zu machen. Die sehr kurze Mittagspause liess lediglich einen kurzen Gang der Strasse entlang und zu einer kleinen Spielwiese zu. Der Hund aber machte mir keine Vorwürfe. Er genoss die Miniwiese, spielte fröhlich mit seinem Ball, so weit es die alten Knochen noch zuliessen und tat so, als sei so ein abgekürzter Spaziergang etwas ganz Tolles.

Bereits am Morgen hatte sich ein stressiger Tag abgezeichnet. Während ich durch die Wohnung hetzte, meine Brille suchte, dann das Natel, dann die Jeans meiner Tochter, dann den Autoschlüssel und noch einige Dinge mehr, stand der kleine alte Hund schwanzwedelnd da. Und er freute sich über jede Streicheleinheit im Vorbeigehen, die er ergattern konnte. Ich staunte, wie er ohne Kaffee, ohne Frühstück oder kalte Dusche bereits so gut aufgelegt sein konnte. Auch als am Nachmittag das Versprechen eines Ersatzspazierganges nicht rechtzeitg eingelöst werden konnte, war das kein Problem. Der kleine Hund nahm auch eine kleine Streicheleinheit als Entschuldigung an. Am Abend musste Röbeli auch noch auf sein gewohntes Lieblingsfutter verzichten und mit einem anderen Vorlieb nehmen, da keine Zeit zum Einkaufen blieb. Der Rauhaardackel, ganz Gentleman alter Schule, schien das nicht einmal zu bemerken. Abends schlief er zufrieden ein, gemütlich in sein Hundebettchen gekuschelt. Er war der Erste, der ins Bett ging. Dass wir noch wach waren, störte ihn keineswegs. Ein leises Schnarchen und ein paar Kläffer im Traum waren alles, was ich von ihm hörte.

Am nächsten Morgen wieder dasselbe: Röbeli war als Erster wach, fröhlich und munter, ohne Kaffee, nur mit seinem Wasser. Ein kurzes Kraulen reichte zum Frühstück. Der Tag wurde wieder stressig. Der kleine Dackel wachte in seinem Körbchen in der Praxis, freute sich jedes mal aufs Neue, wenn ich vorbeiging und war am Mittag ganz aus dem Häuschen, obwohl wieder nur der kürzere Mittagsspaziergang zur Miniwiese drinlag. Später musste ich zur Polizei, um noch etwas in Zusammenhang mit einem abgegebenen Hund zu erledigen. Wir kamen ins Gespräch. Der Beamte meinte, dass am Silvester sich viele in diesem Quartier wie Tiere benommen hätten. «Wie die Tiere und nicht wie Menschen!», wiederholte er entrüstet. Er schüttelte dabei den Kopf. Ich schaute meinen kleinen Dackel an, der mit einer endlosen Geduld das Ende des Gespräches abwartete, damit ich mit ihm auf seinen Spaziergang ging. «Das wäre ja wundervoll, wenn sich Menschen wie Tiere benehmen würden!», antwortete ich lächelnd.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 15:02 Uhr

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