Bobby hat Magenprobleme

Dem kleinen Bobby geht es schlecht: Der Hund hat Verdauungsstörungen. Seine Besitzerin, eine resolute, ältere Dame, ist mit der Behandlung nicht zufrieden. Chantal Ritter steht vor einem Rätsel.

Die ältere Dame regte sich unheimlich auf. Sie herrschte mich an, ihr Hund habe immer noch dieselben Beschwerden, trotz meiner Medikamente! «Im Gegenteil!» Ihre Stimme am Telefon wurde schrill. «Seit Sie meinem Hund diese Medikamente verschrieben haben, geht es ihm viel schlechter!» Ein Hausbesuch wurde vereinbart, denn schliesslich wollte ihr kleiner Hund die Villa nicht verlassen und schon gar nicht in ein Taxi steigen! Während der Hinfahrt dachte ich nach. Der Hund litt an einer Verdauungsstörung. Ich hatte seine Besitzerin in Verdacht, dass sie ihrem Liebling Salami oder Brot verfütterte, wenn er am Tisch bettelte. Denn immer, wenn der Hund bei der Tochter in den Ferien war, ging es ihm gut. Alle meine Ermahnungen halfen nichts, und offensichtlich reichte das von mir verkaufte Medikament auch nicht, diesen Hundedarm zu beruhigen. Aber wieso es schlimmer wurde, war mir ein Rätsel!

Die Dame wohnte in einer wunderschönen Gegend. Der Garten war sehr gross und weitläufig. Ich fragte mich, ob das Hündchen vielleicht von den eben spriessenden Frühlingsblumen naschte? Ich wurde von einer ungeduldigen Besitzerin empfangen. Sie habe schon den ganzen Nachmittag auf mich gewartet! Ich sah auf die Uhr und bemerkte, dass ich eine Viertelstunde zu früh da war. Die Dame erzählte mir, sie müsse danach selber zum Arzt. Ihrem Hund ginge es schlechter und ihr genauso! «Auch seine Medikamente sind unwirksam!», giftelte sie. Ich schaute mir Bobby genau an. Er hatte jetzt nicht nur Darmprobleme, sondern sein Magen machte ihm neu auch noch zu schaffen.

«Zeigen Sie mir bitte sein Futter», sagte ich freundlich, aber bestimmt. Ich versuchte, die Umgebung des Hundes genauer unter die Lupe zu nehmen. In der Küche stapelten sich Hundeguetzlis und Katzenfutter. Daneben stand, unberührt, die Packung mit der Schondiät, die ich ihm verschrieben hatte. Die Kundin meinte, diesmal eher kleinlaut, er fresse mein Futter eben nicht. Dann wollte ich seine Medikamente sehen und wurde an den Küchentisch geführt: Lauter Packungen, die eigentlich für Menschen gedacht sind! Mir ging ein Licht auf. «Zeigen Sie mir bitte mal Ihre eigenen Medikamente», bat ich.

Und tatsächlich brachte sie mir die Tabletten, die ich dem Hund verschrieben hatte! «Bobby wird wieder gesund! Er muss nur für mehrere Monate zu Ihrer Tochter in die Ferien!», meinte ich erleichtert. Die Kundin schaute mich ungläubig an. «Mein Arzt hat auch gemeint, ich solle mal in eine Kur, nur, dass ich wegen Bobby nie gehen wollte», antwortete sie. Ich beschloss, mit ihrer Tochter in den nächsten Tagen ein längeres Gespräch zu führen.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 15:27 Uhr

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