Viele, viele, viele Fische

Kinder lieben Tiere. Das Beobachten und Pflegen der Tiere ist gut für ihre Entwicklung. Die kleine Tochter von Chantal Ritter zum Beispiel liebt Fische. Ein bisschen zu sehr …

Da! Dieser Fisch!» Meine kleine Tochter zeigte auf einen wunderschön gefärbten Guppy. Unser Aquarium war entvölkert. Gerade mal drei alte Fische tummelten sich darin. Deshalb war es an der Zeit, wieder neue Fische dazuzukaufen. Dieses Mal aber hatte ich einen grossen Fehler gemacht und meine Tochter zum Einkauf mitgenommen. Fischschwärme, die hübsch aussahen und sich friedlich verhielten, interessierten sie nicht. Sie wollte einen Guppy! Diese attraktiven Fische passten von der Art her zu meinen drei alten Fischen. Nur hatte ich Bedenken wegen der Schnelligkeit, mit der sich Guppys fortpflanzen. Meiner Tochter war das egal. Guppys sind lebendgebärend und sie wollte den Fischen bei der Geburt zuschauen. «Du sagst immer, Zoologie sei interessant, und ich habe noch nie lebendgebärende Fische gesehen!» Ich hatte keine Argumente mehr und zwei Guppyweibchen zogen mit einem wunderschönen Guppymännchen in unser Aquarium.

Meine Tochter verbrachte Stunden mit den Fischen. Nach einigen Wochen schwammen die ersten Jungtiere herum. Der «Jöö»-Effekt blieb nicht aus. Jeden Tag wurden die vier – nein, fünf – nein, sechs kleinen Fische sorgfältig im Wasser gesucht und deren Grös-senzunahme bewundert. Als ich das Aquarium putzte, wurde ich von meiner Tochter streng kontrolliert. Kein Baby durfte in die Nähe des Ansaugrohres gelangen! Auch wurde das Altwasser mit der Taschenlampe untersucht, damit ich ja kein Fischchen versehentlich wegleeren würde. Eine Woche später schaute ich beim Fischefüttern zu und wollte die Babys zählen. Es war unmöglich. Überall tummelten sich Baby-Guppys in allen Grössen im Aquarium. Ich hatte ein Problem: Übervölkerte Aquarien sind für Fische ungesund und die Fische leiden so häufig an Krankheiten. «Wir kaufen jetzt einen schönen Barsch, in Ordnung?», schlug ich mit unschuldiger Stimme vor. Aber meine Tochter durchschaute mich. Sie wollte auf keinen Fall auch nur eines ihrer Fischbabys verlieren.

Meine Idee mit der Eliminierung durch andere Fische, die Guppys fressen, liess sich nicht durchsetzen. Doch ich musste etwas unternehmen. In der Nacht träumte ich ständig von Guppy-Fischen. Dann machte ich mich auf, ein zweites, grösseres Aquarium zu kaufen. Meiner Tochter erklärte ich, jetzt müsse man halt die Weibchen von den Männchen trennen! Diesmal nahm ich auf ihr Drängen, Baby-Guppys seien ja «sooo herzig», keine Rücksicht. Schliesslich konnten wir nicht ein ganzes Haus zu einem Aquarium umfunktionieren.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 15:28 Uhr

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