Schwärzi ist zu mager

Auch Tiere können an Diabetes leiden. Die Katze Schwärzi ist daran erkrankt. Die Besitzer müssen ihr Leben ziemlich umstellen, um sie versorgen zu können. Und dann geschieht ein Wunder.

Die schwarze Katze hockte abwartend und unsicher auf dem Tisch. Ihr leicht fettiges Fell stach am Rücken in die Höhe. Es war nicht zu übersehen, dass sie in letzter Zeit viel abgenommen hatte. «Mager wie eine Geiss», meinte ihr Besitzer, «obwohl sie immer gut und viel isst! Sorgen mache ich mir aber wegen ihres Durstes. Immer will Schwärzi trinken und pinkelt auch entsprechend häufig.»


Jetzt wollte die Katze wieder in ihren Korb. Ich hielt sie zurück und nahm ihr etwas Blut ab. Sie liess es widerstrebend über sich ergehen und leckte sich danach im sicheren Körbchen beleidigt die Pfote. Eine knappe halbe Stunde später hatte ich den Blutbericht vor Augen. Schwärzi war zuckerkrank.
Der Blutzucker, die sogenannte Glukose, blieb bei Schwärzi im Blutkreislauf und konnte nicht in die Zellen hinein transportiert werden. So hatte die Katze starken Hunger und nahm trotz Fressens ab. Der hohe Blutzucker aber regte die Nieren an, weshalb sie viel trinken und viel urinieren musste.Diese Krankheit kommt bei Katzen immer wieder vor. Auch schlanke Tiere können darunter leiden. Im Gegensatz zum Menschen verhält sich diese Erkrankung aber etwas anders. Einige dieser Katzen können sich erholen, sofern der Besitzer bereit ist, sie mittels Insulinspritzen gut einzustellen. Auf jeden Fall aber helfen Tabletten - anders als bei Menschen - nicht viel.

Schwärzis Leben wurde radikal umgestellt. Sie musste sich an ein neues Spezialfutter gewöhnen und die täglichen Insulinspritzen akzeptieren. Zu Beginn kam sie regelmässig in die Praxis, bis sie gut eingestellt war. Später übernahmen die Halter selbst die Blutzuckerkontrollen.
Auch sie hatten einiges zu erdulden, mussten exakt alle zwölf Stunden zu Hause sein und ihre Katze regelmässig überprüfen und spritzen. Ferien und lange Wochenenden wurden ersatzlos gestrichen. Selbst ein Abend im Ausgang musste wegen der Fütterung der Katze gut organisiert sein. Kein Nachbar war bereit, diese Behandlung zu übernehmen.
Die Futtermenge wurde abgewogen, und der Kühlschrank vollgepflastert mit Tabellen und Listen. Wann frass Schwärzi was? Wann hatte sie gepinkelt und wer hatte ihr wann wie viel gespritzt? Wie hoch war ihr letzter Blutzuckerwert?
Die Kontrollen fielen gut aus. Schwärzis Blutzucker war dank der Therapie immer auf einem tiefen Niveau. Auch sein Fell hatte sich erholt.

Eines Tages rief der Besitzer an. Er habe das Gefühl, Schwärzi sei wieder gesund. Er habe extra einmal die Insulinspritze weggelassen und die Katze habe weder vermehrt Hunger noch starken Durst gezeigt. Auch der Blutzuckerwert sei in der Norm gewesen. Ich konnte ihm nur gratulieren. Seine Katze war tatsächlich wieder gesund! Er war sehr glücklich darüber: «All die verpassten Abende, die fehlenden Ferien, die abgesagten Kinobesuche. Lange hätte ich das nur mit Mühe durchgehalten. Entweder hätte meine Mutter das Management dieser kranken Katze erlernen müssen oder ich wäre durchgedreht!»
Als ich am gleichen Abend nach der Arbeit nach Hause kam, sagte meine Tochter: «Wenn ich einmal gross bin, werde ich eine Katze haben. Und du wirst Dich um sie kümmern, wenn ich keine Zeit habe oder weg bin, nicht wahr?» Ich antwortete nach kurzem Überlegen: «Selbstverständlich». Dann fiel mir Schwärzi ein und schnell fügte ich hinzu: «Aber nicht immer!»

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 15:37 Uhr

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