Ha-ha-hatschi!

Ein junges Kätzchen mit Schnupfen wird in die Praxis gebracht. Eine endgültige Heilung ist leider nicht möglich. Doch das stört ihren Retter nicht. Er will die kleine Katze in jedem Fall behalten.

Spät am Abend stand ein grosser Mann in der Praxis. Er hatte keinen Termin und ich fragte mich zuerst, wieso er hier vorbeikam ohne Tier. Auf den zweiten Blick bemerkte ich, dass auf seinen beeindruckend breiten Schultern ein winziges Kätzchen sass. Die Augen und die Nase des Katzenbabys waren mit Eiter verklebt. Dünn und ausgemergelt sass es schniefend auf dem Arbeitskittel. «Ich war der Letzte, der die Baustelle verliess, als wir mit allem fertig waren. Das kleine Kätzchen miaute kläglich! Ich konnte es doch nicht alleine zurücklassen, sonst wäre es gestorben!» Dem pflichtete ich bei. «Dieses Kätzchen hat den klassischen Katzenschnupfen. Auch ist es nah am Verhungern. Ohne Ihre Hilfe hätte es sicher nicht überlebt.»

Die kleine Katze musste drei Tage bei uns bleiben. Näschen putzen, Medikamente verabreichen und Füttern, denn mit verstopftem Näschen konnte das winzige Häufchen Elend nicht gut fressen. Danach ging es ihr etwas besser. Doch ganz gesund war sie nicht. Der Katzenschnupfen ist eine unheilbare Erkrankung. Kleine Katzen werden meist von der Mutter angesteckt. Viele sterben früh, und die überlebenden kämpfen oft lebenslang mit chronisch verstopfter Nase und wiederkehrenden Krankheitsschüben. Dies wiederum bringt mit sich, dass die Welpen dieser Katzen ebenfalls angesteckt werden. Das Impfen der gesunden Tiere verhindert die Ansteckung. Sind Katzen aber bereits erkrankt, kann der Tierhalter nur die immer wiederkehrenden Krankheitsschübe mehr oder weniger erfolgreich behandeln.

Als sie abgeholt wurde, sprang sie ihrem Retter gleich wieder auf die Schulter und rieb ihr Köpfchen an seiner Backe. Dann nieste sie kräftig, und viele kleine gelbe Schnupfenspritzerchen verteilten sich auf seinem Arbeitskittel. Wir lachten. Der Schnupfen war für den Handwerker kein Grund, sie nicht zu lieben. Er war selbstständig. Sie würde an seinem Arbeitsort leben und am Wochenende mit nach Hause dürfen. So konnte sie getrost herumniesen, ohne dass die Wohnung allzu sehr darunter litt. «Die Steuererklärung darf sie ruhig anniesen, Ihre Kundenrechnungen allerdings lieber nicht!», scherzte ich. «Jetzt habe ich doch noch eine Frau am Arbeitsplatz!», meinte er schmunzelnd.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 15:45 Uhr

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