Ein Mops im Kleid

Lucy, die kleine Mopsdame, muss einen Body anziehen. Nicht etwa, weil die Besitzer sie verkleiden wollen, sondern zum Schutz einer Operationswunde. Das gestaltet sich schwieriger als geplant. Und scheint praktische Nebenwirkungen zu haben …

Die junge Mopsdame hatte eine Routineoperation über sich ergehen lassen müssen. Sie schlief selig, wurde operiert und lag jetzt da, die Schläuche noch im Hals, und erwachte ganz langsam. Dann entfernten wir den Tubus und blieben bei ihr, bis sie ganz wach war. Das Erwachen aus der Narkose ist nicht ganz gefahrlos.

Gerade Hunde mit kurzer Schnauze werden, bis sie ganz wach sind, intensiv betreut. Dabei verhalten sich die Tiere ganz unterschiedlich. Es gibt Hunde, welche hastig erwachen. Sie versuchen immer wieder aufzustehen, und fallen dann wieder um. Sie winseln und scheinen sich nicht zurechtzufinden, bis sie nach wenigen Minuten ganz wach sind. Dann benehmen sie sich wieder normal.

Diese Hunde muss eine Tierarztgehilfin betreuen, bis sie so weit bei Bewusstsein sind, dass sie gefahrlos aufstehen können, ohne umzufallen. Andere Hunde erwachen wie aus einem Mittagsschläfchen, freudig wedelnd. Dann stehen sie auf und sind schon voll bei Sinnen.

Lucy gehörte zur letzteren Sorte. Nach dem Aufwachen mussten wir ihr einen «Body» anziehen. Der sieht einem Badekleid ähnlich und schützt die Operationswunde vor intensiver Verschmutzung und auch davor, dass die Tiere immer wieder daran lecken. Wir rätselten, ob die Mopsdame Grösse S oder M hatte.

Probieren geht über Studieren: Wir zogen ihr einen Body mit der Grösse «M» an und dann wieder aus. Er war definitiv zu gross. Der kurze Mops hatte zu viel Platz darin. Er hätte seine Füsse selbst daraus befreien und ihn so ausziehen können.

Die Grösse «S» aber schien etwas eng. Wir zwängten Lucy vorsichtig hinein. Das Resultat war, dass sie keine Falten im Gesicht mehr hatte. Dafür hatte ihr Hinterteil unzählige Rollen mehr. Beim zweiten Anziehversuch zogen wir ihre Haut nach vorne. Jetzt hatte sie ein Runzelgesicht und ihr Hinterteil war glatt und faltenfrei.

Endlich, nach mehreren Versuchen, hatten wir die Falten gleichmässig auf vorne und hinten verteilt. In der Mitte hielt der Body den jungen Mops ganz faltenfrei. Beim Weiterarbeiten schaute ich rasch in den Spiegel. Wie gerne hätte ich auch so ein T-Shirt! Das Gesicht ganz faltenfrei und – na ja – dafür bräuchte ich dann wohl Pluderhosen …

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 15:48 Uhr

Mehr zum Thema:

Mehr Geschichten aus der Tierarztpraxis

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Die neuesten Kommentare zu den Geschichten aus der Tierarztpraxis:

Ursula antwortet vor 2 Wochen
Eins, zwei – ganz viele
Vielen Dank, mir gefallen alle ... 
Smithc477 antwortet vor 2 Monaten
Mein Hund, dein Hund
Awesome article post.Thanks Ag ... 
Sonja Tschudin antwortet vor 2 Monaten
Noro wahrt die Haltung
Für ältere Hunde, die plötzlic ... 


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?