«Sackstarker Stratege»

Sybil Schreiber: Schneider behauptet, er sei für das Konzeptionelle und Strategische in unserer Beziehung zuständig. Was er damit meint, weiss ich nicht. Aber wie das aussieht, wenn er gerade die Zukunft unserer Familie plant, das weiss ich: Er liegt auf dem Sofa und hat die Augen geschlossen. Der Gute schläft also.
Er aber behauptet das Gegenteil: «Ich denke nach!», erklärt er.
Und zwar nicht einfach über etwas so Positives wie mich, nein, er denkt nach eigenen Aussagen sehr wegweisend und tiefgründig nach.
Mehr noch: «Ich drücke es mal bildlich aus: Im Grunde ziehe ich in solchen Momenten den Karren!»
Na wunderbar!
Während Stratege Schneider im Wohnzimmer liegend irgendwas bewegen will, stehe ich in der Küche und schmeisse den Laden. Denn: Unser Hunger wird von keinem Konzept und keiner Strategie gestillt.
Da kommt er auf einmal um die Ecke und ruft: «Ich habs! Ich hab unseren Leitspruch für 2011!»
Soso.
Er strahlt, gleich wird er sich selber auf die Schulter klopfen: «Für 2011 lautet unser Motto: Alles leichter nehmen!» «Sehr gute Idee», sage ich. «Fang du schon mal damit an und verzichte nach der ganzen Festtags-Schlemmerei als Erstes auf das Abendessen.»

Steven Schneider: Schreiber ist rückwärtsgewandt. Das ist schon in Ordnung.
Sie schwelgt gern in Erinnerungen, öffnet ihr Schatzkästchen im Herzen und holt dort Glücksmomente aus der Vergangenheit hervor. Ende Jahr blickt sie deshalb gern zurück.
Ich hingegen schaue lieber nach vorne. Und so denke ich mir zu Jahresbeginn jeweils ein Leitmotiv für die unmittelbare Zukunft aus.
Schreiber findet das hochinteressant, und das ist es natürlich auch. Jedenfalls brauche ich keine Lebenshilfe-Bücher. Ich helfe mir lieber selber und konzipiere individuelle Lebensentwürfe, die zu uns passen: Vor zwei Jahren lautete unser Leitspruch: «Mutig sein.» Letztes Jahr: «Entschlossen durchs Leben» und 2011: «Alles leichter nehmen».
Soll die «Das-Glas-ist-halb-leer-Fraktion» weiterhin so tun, als wäre das Leben dunkel und schwer, mir egal. Ich unterstütze die «Halb-volle-Gläser»-Truppe, schliesslich ist man des eigenen Glückes Schmied: Nie war das Leben bei uns so komfortabel und sicher wie heute.
Warum also neidisch sein, hadern, grübeln oder jammern?
Ich jammere jedenfalls nicht mehr! Höchstens jetzt noch rasch wegen Schreibers Vorhaben, mir mein Abendessen vorzuenthalten!

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