Gewaltige Geschichte

Sybil Schreiber: Wir haben keinen Fernseher, lieben aber Filme und schauen sie auf DVD. Das ist ja so gemütlich, zu viert an einem kalten Winterabend einen Kinderfilm anzusehen! Während ich noch Popcorn mache, verkündet Schneider, dass er am Nachmittag einen neuen Familienfilm gekauft hätte.
Irgendwas mit Drachen: «Total süss. Echt rührend. Richtig gut.»
Ich freue mich. Zu früh! Denn bereits in den ersten Filmminuten jagen fürchterliche Brutalodrachen und Fackeln schiessende Wikinger über den Bildschirm. Grässliche Kampfszenen, lautes Gebrüll. Ich drücke meine Mädchen an mich: «Geht das für euch?»
Keine Antwort, die beiden können kaum noch atmen. Wie sollen sie dann sprechen?
Ich werfe Schneider einen wütenden Blick zu. Was denkt er sich dabei? Und warum unternimmt er nichts? Ich greife nach der Hülle: «Ab 6 Jahren freigegeben.» Was für Dumpfbacken entscheiden so was?
Die Kinder haben sich bis zu den Nasenspitzen unter der Decke verkrochen und zittern.
Genug: Per Fernbedienung stelle ich das Kampfgeschrei ab und bekomme Gänsehaut: «NEIN!!! Mach den Film SOFORT wieder an! Du bist sooo GEMEIN!!!»
Das Kampfgeheul meiner Töchter klingt eindeutig gefährlicher als jenes der Wikinger.

Steven Schneider: Ein Kumpel mit gleichaltrigen Kindern hatte mir begeistert vom Film «Drachenzähmen leicht gemacht!» vorgeschwärmt. Als ich die DVD im Sonderangebot fand, griff ich zu.
Was für eine tolle Idee! Wikinger werden von Drachen angegriffen, die ihnen die Schafe klauen. Alle wollen die Drachen töten, nur einer nicht, der freundet sich sogar mit dem scheinbar gefährlichsten aller Drachen an.
Eine gewaltig gute Geschichte von echter Freundschaft und der Überwindung von Vorurteilen. Zwischendurch ist es natürlich auch etwas gruselig, schliesslich sind weder Drachen noch Wikinger zarte Geschöpfe.
Meine Kleinere versteckt sich deshalb bei einigen Szenen in meinen Armen – und ich geniesse es sehr, Beschützer zu spielen. Die Grössere hält sich derweil ein Kissen vors Gesicht, wenn es etwas gar zu spannend wird. Dann blickt sie zu mir und strahlt. Eigentlich ein gelungener Filmabend.
Wenn nur Schreiber nicht wäre. «Sag mal, bei dir piepts wohl!», schimpft sie, als die Kinder im Bett sind.
«Fandest du den Film nicht lustig?»
«So viel Gewalt ist einfach Quatsch!» Sie schaut grimmig. Ich beruhige sie und sage: «Dann schauen wir dir zuliebe ‹Bullerbü› – das übernächste Mal.»

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:30 Uhr

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