Pflaumen!

Steven Schneider: Das Mittagessen ist abgetragen, Schreiber sitzt am Küchentisch, nippt am Kaffee und sagt: «Wegen heute Nachmittag.»
Sie blickt mich an, als wäre alles klar. Mir ist gar nichts klar.
Will sie vielleicht ein Schäferstündchen?
Oder braucht sie die Oster-Deko-Kiste vom Estrich?
Oder soll ich unerwartet etwa die Kleine hüten, da am Nachmittag kein Kindergarten ist?
«Die Sara kommt zu uns.» Sara, das Nachbarmädchen, Idas kleine Freundin.
Kein Schäferstündchen demnach – war sowieso eine absurde Idee.
«Ich sollte später einkaufen gehen», sagt sie nun. Aha! Ja, das könnte sie. Macht den Kindern bestimmt Spass.
Schreiber blickt an die Uhr an der Wand. «Aber das könnte ich auch jetzt gleich.»
«Was?»
«Einkaufen. Bist du am Nachmittag zu Hause?»
«Seit wann bin ich am Nachmittag ohne Vorankündigung zu Hause?»
«Aber könntest du?»
«Was?»
«Zu Hause sein.»
«Ich verstehe nicht.»
«In einer Stunde hätte ich alles eingekauft.» Sie beisst auf ihre Unterlippe.
«Aber ich könnte auch um halb sechs gehen.» Sie blickt ins Leere.
Und jetzt kapiere ich endlich. Sie spricht gar nicht mit mir. Sie denkt nur laut über den anstehenden Nachmittag nach.

Sybil Schreiber: Schneider kann mich ja so was von anpflaumen: «Frag mich, wenn du weisst, was du willst. Mich interessiert die Herleitung eines Problems nicht, frag doch einfach, ob ich von zwei bis drei an diesem Nachmittag eine Stunde zu Hause sein kann!», sagt er, lauter als notwendig. Dabei haben wir gar keinen Streit.
«Musst du deswegen gleich so ranzig reagieren?»
«Ich bin nicht ranzig. Ich frage mich nur, warum du dir nicht vorher überlegst, welches Problem du hast und was für eine Lösung es dafür geben könnte. Du könntest mir dann nämlich eine Lösung vorschlagen, statt mir dein Problem zu schildern.»
«Ich habe keines. Mir scheint, du hast eines.»
«Ich habe doch kein Problem – DU willst was von mir.»
«Fertig? Ich muss ja nur einkaufen gehen heute.»
«Genau, und deshalb muss ich mir eine so langwierige, völlig diffuse Einleitung anhören?»
«Echt, mit dir kann man nicht reden.»
«Und ob man das kann, die Frage ist nur, wie.»
«Na gut: Kannst du also heute von zwei bis drei zu Hause auf die Kinder schauen?»
«Endlich. Eine klare Frage!»
«Also kannst du?»
«Nein – ich habe gerade dann eine Sitzung im Büro.»
Jetzt pflaume definitiv auch ich: «Dann sag das doch gleich von Anfang an!»

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:31 Uhr

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