Wisch und weg!

Sybil Schreiber: Mit Elan wuchtet Schneider unseren grossen Esstisch zur Seite und beginnt spontan, den Boden nass aufzuwischen. In einem sehr ungünstigen Augenblick, finde ich, aber unsere zwei Kinder sind begeistert, wollen helfen und streiten sich um den zweiten Wischer.
Schneider löst das Problem, indem er seinen Schrubber abgibt: «Du, Alma, machst die Küche, und du, Ida den Gang.» Die Kinder jubeln, Schneider klatscht in die Hände und sagt freudestrahlend zu mir: «Dann ist es sicher okay, wenn ich jetzt eine Runde jogge.»
Ist es das? Ich sage: «Ja, geh nur.»
Dass wir in zwei Stunden Besuch bekommen und ich dabei bin, das Essen vorzubereiten, übersieht er.
Eine Stunde später kommt er verschwitzt zurück und pfeift unter der Dusche, während ich in der Küche knie, das Wasser vom Fussboden aufwische und den Lappen zum hundertsten Mal auswringe.
Ich frage mich, warum Schneider nicht kapiert hat, dass mein: «Ja, geh nur!» eigentlich hiess: «Bleib da und kümmere dich gefälligst um die begonnene Bodenwischaktion.»
Ich dampfe vor Wut. Und wäre ich nicht so unglaublich zuverlässig, dann würde ich jetzt einfach aufstehen und Schneider den ganzen Kram alleine machen lassen. So, wie er es tut.

Steven Schneider: Als ich aus der Dusche trete, schaut gerade die Kleine durch den Türspalt ins Badezimmer und sagt: «Du, Papi, Mama ist sauer.»
Super!, denke ich, in einer halben Stunde kommen unsere Gäste, und Schreiber macht einen Kopf! Ich schlinge mir das Handtuch um und gehe in die Küche. «Was ist los?», frage ich.
Sie kniet auf dem Fussboden.
«Wie wars im Wald?»
«Erfrischend. Bist du sauer?»
«Merkst du nicht, dass deine Mithilfe hier gerade dringend angebracht wäre?»
«Ich habe dich doch gefragt, ob ich joggen gehen kann!»
«Nur schon die Frage!»
«Und du hast gesagt, ich solle gehen.»
«Aber habe ich das auch gemeint?», fragt sie scharf.
«Davon bin ich ausgegangen.»
«Sieht doch jeder, dass es hier eine ganze Menge zu tun gibt und dass es eine Schnapsidee ist, den Holzboden ausgerechnet dann aufwischen zu wollen, wenn wir aufräumen, das Essen zubereiten, den Tisch dekorieren, die Geschenke einpacken sollten!»
«Aber du hast doch gesagt …» Weiter komme ich nicht, denn sie fällt mir ins Wort: «Das musst du doch einfach sehen!»
«Aber haben nicht die Kinder ...?», wage ich einzuwenden. «Hör doch auf!» Jetzt ärgere ich mich auch: «Sonst noch was?»
«Ja, du tropfst.»

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:38 Uhr

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