Mann und Mäuse

Versuch geglückt, meint er - sie versuchts weiter.

Sybil Schreiber: Andere schauen ins Kaminfeuer, wir in den Käfig.
Wie gemütlich das ist, zusammen mit meinem Liebsten unsere drei Nager zu beobachten. Er sagt: «Sieh mal, Kümmel ist voll der Chef.» Ich schmiege mich an Schneider: «Schön, diese Tierchen im Haus zu haben, gell.»
Er nickt.
Mir fällt ein, wie sehr er sich zu Beginn dagegen gewehrt hatte: «Unsere Kater drehen durch, wenn sie dauernd quietschlebendiges Frischfleisch vor Augen haben.» Oder: «Und in den Ferien?» Oder: «Vielleicht sind wir allergisch auf Mäusehaare.»
Die Wende kam, als wir in Zürich mein Patenkind und ihre Rennmäuse besuchten. «Die riechen nicht, sie spielen gern und machen wenig Arbeit», sagte sie. Schon auf der Rückfahrt hörte sich Schneiders «Nein» irgendwie nach «Hmm» an.
Jetzt raunt er: «Wie die graben! Macht Spass, so fleissigen Gesellen zuzuschauen.»
Mir macht Spass, dass mein Mann seine Meinung ändern kann. Und während die Mäuse ihre Höhlen bauen, baue ich in Gedanken unseren zukünftigen Kleintierzoo weiter.
Meine Strategie heisst: befreundete Familien mit Tieren besuchen. In unserem Bekanntenkreis leben Hühner, Laufenten, Hunde, Hasen, Schildkröten und Leguane. Ein perfekter Plan!

Steven Schneider: Mäuse. Nie hätte ich geglaubt, dass sie mich so amüsieren würden. Alle Welt redet von Hamstern, aber ich weiss nun, dass nichts über Mongolische Rennmäuse geht. Unsere drei heissen Kümmel, Flöckli, Stupsi und sind eifrige Kerlchen, buddeln pausenlos Gänge ins Sägemehl und gucken in die Luft, ob dort ein Hochlandbussard kreist.
Im Zimmer unserer Töchter, wo der Glaskäfig steht, kreist kein Raubvogel, nur unsere zwei Kater starren noch lieber und länger hin als wir. «Ganz erfrischende Tierchen», sage ich zu Schreiber neben mir. Wir schauen Kümmel beim Zerkleinern von WC-Kartonröhren zu. Drollig! Besser nicht dran denken, dass er auch als Versuchstier in einem Kosmetika-Test-Labor hätte enden können.
Als Versuchstiere in unserer Familie haben die Rennmäuse jedenfalls voll eingeschlagen: Meine Familie, die öfters davon sprach, ein Pferd auf der Veranda zu halten, ist mit den Mäusen glücklich. Ursprünglich waren nur zwei Nager für unsere Kinder geplant, aber in weiser Voraussicht plädierte ich auf drei, damit auch Schreiber eine Maus kriegt - und ich dann gefeit bin von endlosen «wir-hätten-gern-Ziegen-Hunde-Hühner-Ponys»-Diskussionen.
Mein Plan geht voll auf.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:39 Uhr

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