Aufbruch!

Das Projekt Hühner meldet sich zurück.

Steven Schneider: Schreiber sitzt mir gegenüber und blickt trotzig. Mein Vorwurf, sie hätte die Hühnerfrage mit mir eingehend besprechen sollen, bevor sie die Kinder einweiht, lässt sie kalt.
Ich kneife die Augen zusammen. Was verbindet sie mit Geflügel? War sie in einem früheren Leben selber ein Huhn? Als wir noch in Zürich wohnten, gehörte sie auf dem Quartierbauernhof Weinegg zur Hühnergruppe: wöchentliches Füttern, monatliches Ausmisten. Das hat ihr gefallen. Zumindest zu Beginn. Denn mit der Zeit war ich es, der auf den Hühnerhof gehen musste, weil bei ihr häufig grad was Wichtigeres los war. Und genau das ist der Punkt, weshalb ich mich gegen zu viele Haustiere wehre: Die Euphorie meiner Töchter und deren Mutter für Tiere ist grenzenlos. Aber die Ausdauer, sich um sie zu kümmern, ist begrenzt.
Das ist immer so. Am Schluss bin ich es, der morgens mit den Hühnern aufsteht und sie abends wieder in den Stall treibt, der ausmistet und Futter schleppt, der barfuss in ihren Kot tritt und zusehen muss, wie mein Naturgarten aufgescharrt wird. Ich muss dieses Projekt augenblicklich wieder stoppen! «Wo sind die Kinder?», frage ich.
«Im Schopf. Sie bauen Möbel für die Hühner.» «Ich muss dieses Projekt stoppen.»

Sybil Schreiber: Während des Frühstücks blicke ich aus dem Fenster in den Garten. Der Frühling meldet sich mit aller Kraft, es scheint, als würden die Knospen an der Magnolie gleich aufbrechen. Danach folgt die gelb blühende Kornelkirsche und später wird alles grün und üppig.
Aufbruchstimmung!
Wie ich mich freue, wieder im Garten zu sein und dort zu werkeln, auch wenn das einiges zu tun gibt. Vorige Woche hat mir eine Freundin aus Zürich am Telefon gesagt: «Also, wenn wir einen so grossen Garten hätten wie ihr, wär' das schon längst ein Kleintierzoo!»
Nun, sie lebt ja auch nicht mit Schneider zusammen.
Die Vorstellung, dass ein paar kleine Hühner nach Würmern in seinem ach so naturnahen Garten picken könnten, würde ihn erschüttern.
Allerdings: Das ist nur sein Problem, nicht meines. Ich streiche dick Butter aufs Brot und verkünde spontan: «Diesen Frühling kaufe ich Hühner!»
Schweigen. Die Kinder und Schneider machen grosse Augen. Dann umarmen mich die Mädchen begeistert: «Mami, du bist die Beste!»
Fairerweise stimmen wir noch über das Projekt ab: Es wird bei einer Gegenstimme klar angenommen. Die Kleine strahlt: «Ich will aber auch noch einen Hasen, bitte!» Und Schneider flüstert nur: «Hilfe!» «Diesen Frühling kaufe ich Hühner.»

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:41 Uhr

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