Schlank liegen

Auf der Suche nach der perfekten Position

Steven Schneider: Ich lass diesen Tag langsam angehen, lausche dem Gezwitscher im Garten, höre Schreiber in der Dusche und bin zufrieden. Ich fühle mich gut!
Das ist nicht selbstverständlich, und ich weiss: Man braucht Glück im Leben, ein heiteres Gemüt und freundliche Menschen um einen herum.
Aber dass ich mich wohlfühle, hat noch einen Grund: Ich bewege mich seit einigen Wochen sehr viel, und das beschwingt! Schreiber ist geduscht, ich höre, wie sie sich Richtung Schlafzimmer bewegt.
Eine Gelegenheit, die ich nicht verpassen sollte. Ich räkle mich in eine vorteilhafte Position: Die Bettdecke schiebe ich unter den Bauchnabel, die Hände lege ich unter den Kopf, was den Brustkorb bestens zur Geltung bringt und meinen Ansatz zum Pirelli im Taillenbereich verschwinden lässt. Dazu kommt die Schwerkraft, die im Liegen für den Bauch Wunder wirkt.
Ja, das sollte ganz gut aussehen. Sie tritt herein, ich stelle mich schlafend. Mein linkes Auge öffnet sich zum Schlitz, damit ich sehe, ob Schreiber auch wirklich mich und nicht den Kleiderschrank anschaut. Ja, tut sie.
Dann sagt sie: «Mann, du siehst toll aus, so ganz ohne Bauch! Jetzt solltest du nur noch am Doppelkinn arbeiten.»

Sybil Schreiber: Was für ein Anblick: Schneider liegt oben ohne im Bett, döst und macht mich sehr unzufrieden. Ich staune, wie er sein aktuelles Fitnessprogramm durchzieht: Er rennt fast täglich nach Deutschland und zurück – was von Bad Zurzach aus zwar ein Hüpfer ist, aber trotzdem.
Und er isst kaum mehr Süsses, was bedeutet, dass ich mehr Süsses esse, denn ich kann eine angebrochene Bitterschokolade mit Nüssen nicht herumliegen lassen.
Während er also sichtbar Kalorien verbrennt, setze ich solche sichtbar an. Die Waage betrete ich nach dem Duschen nur noch mit trocken geföhnten Haaren und ohne Schmuck. Selbst dann ist das Resultat nicht badesaisontauglich. Er schwärmt von seiner Joggingstrecke, ich hechle beim Treppensteigen.
Mein Problem ist, dass ich Gewichtsprobleme wälze, statt sie zu lösen. Während ich also andauernd überlege, ob ich mir ein Fitness-Abo leisten, Yogastunden besuchen oder Tennis lernen sollte, wird er einfach leichter. Ich blicke ihn an.
Er schläft noch immer, atmet ruhig. Ich schlüpfe in ein schwarzes T-Shirt, das schlank macht, strecke mich, ziehe den Bauch ein, hebe die Arme hoch und blicke in den Spiegel. Jetzt sollte Schneider eigentlich mal herschauen!

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:43 Uhr

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