Alles für die Kür

Er erledigt die Pflicht, um in Ruhe durchzustarten.

Steven Schneider: Es ist nicht das Einzige, was Schreiber nicht versteht, aber das ändert nichts daran, dass ich trotzdem völlig fasziniert bin von der Formel 1: Energierückgewinnungssystem, verstellbare Heckflügel, weiche Reifen und vor allem Triumphe und Tragödien – doch es ist sinnlos, ihr das auszubreiten, denn sie findet Rennsport aus Prinzip Blödsinn, und an Prinzipien hält sie eisern fest – zumal Formel-1-Rennen meist an sonnigen Familiensonntagnachmittagen stattfinden.
Ich bin da legerer, überhaupt kein Prinzipienreiter, lasse auch einmal ein Rennen sausen, ohne dies an die grosse Glocke zu hängen, verschenke meine Zeit also für einen Familiensonntag, ganz nach den Bedürfnissen von Schreiber, und bummle mit ihr dem Rhein entlang.
Allerdings muss man in einer Beziehung auch darauf achten, dass man sich nicht gänzlich ausrollt und auf der Strecke bleibt, denn davon wird ja eine Partnerschaft auch nicht besser.
Damit die Kirche jedoch im Dorf beziehungsweise Schreiber bei mir bleibt und ich dennoch zum Vergnügen einer Formel-1-Live-Übertragung komme, ist gute Planung nötig.
Morgens die Pflicht erledigen, am Nachmittag der Grand Prix – mein Kürlauf also.

Sybil Schreiber: Wochenenden sind meiner Meinung nach dazu da, nichts zu müssen. Nur zu dürfen.
Am liebsten mag ich Sonntage, die wie unbeschriebene Blätter vor uns liegen und die wir vier nach unseren Bedürfnissen gemeinsam gestalten. Wie jetzt.
Ich setze mich zu Schneider aufs Sofa, der, wie immer, früh aufgestanden ist, bereits Zeitung gelesen und Kaffee getrunken hat. Er schaut mich munter an und strahlt Tatendrang aus: «Na, endlich. Auch schon wach?! Es ist ein Prachttag, wir müssen unbedingt raus an die frische Luft, ich habe schon einen kernigen Spaziergang ausgetüftelt, Abfahrt am Bahnhof in 50 Minuten, wir machen unterwegs Picknick, ich schmiere gleich ein paar Brote. Mehr verrate ich nicht. Ich jogge dann von der Feuerstelle zurück. Ihr nehmt wieder den Zug. Zieht euch an, bis ihr so weit seid, räume ich im Schopf auf.»
Schneiders Hammertempo!
Mein leerer Tag ist in Sekundenschnelle voll fremdverplant, bevor ich überhaupt richtig wach bin: «Langsam, mein Lieber, wir haben noch nicht einmal gefrühstückt ...»
Schneider stört das nicht: «... Ausserdem muss ich um 13 Uhr bei meinen Eltern sein.»
«Warum das denn?»
«Dann startet das Autorennen im Fernsehen.»

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:50 Uhr

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