Energisch verzichten

Ihr Spartrip erspart ihm gar nichts.

Steven Schneider: Schreibers Begeisterung fürs Stromsparen kostet Energie. Meine! Sie löscht das Licht im Bad, dabei sitze ich noch auf der Schüssel.
«Stromsparabend, mein Lieber», flötet sie.
Ich starre in die Dunkelheit und denke nach. Ihr Spartrip ruiniert nicht nur meine Laune, sondern auch unsere Kasse. Kiloweise Kerzen und Zündhölzer kommen ins Haus. Käse stammt nur noch aus der Region, wegen der grauen Energie. Sie kauft den energieeffizientesten Wasserkocher - natürlich ist dieser auch der teuerste. Der Umwelt Sorge tragen kostet mehr, als sie zu belasten, ja, aber mich belastet ihr Trip ebenfalls: Würde sie nicht so fanatisch die Welt retten wollen, wäre ich auch Feuer und Flamme in Sachen Stromsparen. Doch ihr Übereifer löst in mir einen totalen Gegenreflex aus.
Es klopft. «Brauchst du Licht?», höre ich sie durch die Dunkelheit fragen.
Will sie mich ärgern oder was? Ich rufe: «Licht wär' schön!»
Die Tür öffnet sich, schemenhaft zeichnet sich Schreibers Silhouette ab. «Hier! Kerze und Zündhölzer. Ist Stromsparen nicht fabelhaft? Das Anzünden der Kerze macht nicht nur hell - es verbessert auch den Geruch in diesem Raum beträchtlich!»

Sybil Schreiber:
Ich habe Schneider überzeugt: Wir werden ab sofort einmal in der Woche einen halben Tag möglichst stromfrei leben. Mit Betonung auf möglichst, denn Kühlschrank und Boiler machen wir nicht aus, das würde mehr Energie verbrauchen als sparen. Aber wir verzichten an unserem privaten Ohne-Strom-Tag auf Herd, Licht, Computer, Musikanlage, wir verwenden weder warmes Wasser noch fahren wir Auto, waschen oder bügeln.
«Einmal pro Woche? Wäre einmal im Monat auch eine Option?», gibt Schneider zu bedenken.
«Wir testen das. Vier Halbtage in den nächsten vier Wochen. Dann entscheiden wir. Abgemacht?»
Ein wenig mulmig ist mir ja, doch ich darf nicht schwach werden. Es ist ein Versuch, und diesen will ich wagen: «Diesen Samstagnachmittag legen wir los!», höre ich mich laut sagen.
«Ausgerechnet?»
«Ja, man muss es sofort angehen, sonst wandelt sich die Idee nicht zur Tat. Ich bin bereit.»
Schneider schluckt zunächst, dann strahlt er. «Stromverzicht zu Hause? Auch ich bin bereit!»
Das ist Solidarität! Ich will grad sagen, wie sehr ich sein Engagement schätze, da fügt er lächelnd an: «Samstag ist Champions-League-Final. Da guck ich eh bei meinem Bruder. Der hat noch Strom.»

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:52 Uhr

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