Frauchen in Fahrt

Sie macht Tempo und er wechselt zu «Ja, aber»

Sybil Schreiber: Ich hab ihn gefunden. Im Internet. Den perfekten Hund. Aufgeregt zeige ich Schneider meinen grossen Wurf: Ein niedlicher Welpe, Mischling, hellbraun, an Kinder und Katzen gewöhnt, lebt – noch – auf einem Pferdehof im Thurgau.
Schneider grummelt: «Und wie gross wird der?»
«Eher klein, sie wissen nicht, wer der Vater ist. Ich habe mit der Besitzerin telefoniert.»
«Und wahrscheinlich hast du schon ausgemacht, wann wir ihn anschauen.»
«Genau! Kannst du Gedanken lesen! Ich habe ihn reserviert! Am Wochenende fahren wir hin!» Schneider blickt mürrisch, dann sagt er: «Langsam. Hast du nicht gesagt, man brauche eine Hunde-Theorieprüfung, bevor man einen Hund kaufen darf? Also. Kein Grund zur Hektik.»
«Du denkst auch an alles!», sage ich lächelnd.
Er nickt: «Tja, dann dauert die Sache wohl noch ein bisschen.»
«Wer weiss?», sage ich, gehe zum Schreibtisch, ziehe ein Kuvert aus der Schublade und wedle mit diesem vor Schneiders Nase herum: «Überraschung!»
Er schnappt sich den Brief, zieht das Papier heraus und liest laut vor: «Theoretischer Sachkundenachweis für Hundehalter.» Seine Augen sagen mir: So wenig hat er sich noch nie über ein Diplom von mir gefreut.

Steven Schneider: Schreibers Energie in Sachen Hund ist beunruhigend.
Sie strahlt.
Vermutlich ist sie sogar stolz darauf, hinter meinem Rücken Theoriekurse zu absolvieren, wo ich doch dachte, sie würde was Vernünftiges mit ihrer Zeit anfangen.
Woher nur dieser unbändige Drang nach einem Hund? Kündigen sich die Wechseljahre an? Der Wunsch nach einem letzten Baby? Nach schlaflosen Nächten? Nach pausenloser Zuwendung an ein Wesen, das eine Mutter braucht?
Die Wechseljahre sind, so habe ich gelesen, nicht etwa eine Krankheit, sondern ein natürlicher Abschnitt im Leben einer Frau. Da muss man als Mann schon vorsichtig sein und die Wechseljahre ernst nehmen. Nicht, dass ich es bin, der dann ausgewechselt wird.
Deshalb: Plan B. Die Sache mit dem Hund ist nicht mehr zu stoppen. Ich muss strategisch vorgehen und «Ja» sagen zum Hund. Das macht mich zum tollen Papa und besten Gatten. Danach das «Aber».
Ich lächle und sage zu Schreiber: «Gut. Wir können über einen Hund reden. Aber eines ist klar: Ich gehe nicht mit dem Hund raus.»
«Wir können die Kinder doch im Winter nicht in aller Herrgottsfrüh in die Kälte schicken», antwortet meine Frau.
«Die Kinder vielleicht nicht. Aber dich.»

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:57 Uhr

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