Die mit den Wölfen schläft

Hektisch sorgt sie für Nachwuchs,und er kommt zur Ruhe

Sybil Schreiber: Ich bin wacklig auf den Beinen. Seit vier Nächten springe ich um zwölf, um drei und um halb sechs Uhr aus den Federn, damit unser Nachwuchs nicht in die Stube, sondern ins Freie pinkelt. Die Rede ist von unserem 4-beinigen Baby Lilla. Dieser süsse Hund ist vor Kurzem bei uns eingezogen, und ich bin noch am gleichen Abend umgezogen: vom gemeinsamen Schlafzimmer ins Gästezimmer im Erdgeschoss.
Dort schlafen Lilla und ich nun, denn ich bin ihre Rudelmutter. Es ist wichtig, dass sie die Nähe zu Menschen spürt; sie darf sich auf keinen Fall verlassen fühlen. Darum spiele ich viel mit ihr.
Und wenn sie aufwacht, schnuppert sie an meinem Bett. Dann gehen wir hinaus. Ich schau mir die Sterne an, während sie halbschlafend ihre Runde dreht. Besondere Augenblicke für uns zwei, jedoch so langsam brauchen sie meine Batterien auf. Noch dazu, weil Schneider alles andere als eine Hilfe ist: Er begrüsst mich jeden Morgen mit einem wohligen Strecken und seinem Lieblingssatz: «Habe ich gut geschlafen!»
Er hegt keinerlei Ambitionen, sich als Rudelrüde ins Spiel zu bringen. Lieber schläft er wie ein Lamm und überlässt mich hundemüde meinem Schicksal als Wölfin.

Steven Schneider: Es ist ein Déjà-vu: Kleine Wesen, die von einer anderen Welt kommen, kennen unseren Rhythmus nicht. So war es mit unseren Babys, so ist es mit dem Hund, der seit einigen Tagen zu uns gehört.
Alles schaltet in einen 24-Stunden-Aktivmodus, die ganze Familie. Die ganze Familie? Nein. Im oberen Stock unseres Hauses gibt es jemanden, der weiterhin Widerstand leistet.
Ich besitze zwar keinen Zaubertrank, der mir übermenschliche Kräfte verleiht, dafür aber den festen Willen, den Hund allein dem weiblichen Teil unserer Familie zu überlassen. Denn wer wollte den Hund? Ich nicht. Also ist Lilla, wie die kleine Trottoirmischung heisst, in Schreibers und ihrer Töchter Verantwortung.
Wenn Lilla nachts Pipi muss – ich schlafe weiter. Wenn Lilla tagsüber Pipi muss – ich bin dafür nicht zu haben. Spazieren, Geschäfte in Tütchen packen, zerfetzte Papiertaschentücher zusammenräumen – geht mich alles nichts an. Aber ich mag die Kleine. Und sie mag mich. Ich kraule sie, sie leckt mir die Hand, ich streichle sie, sie schaut mich mit treuen Augen an. Lilla liebt mich, keine Frage.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 21.06.2011, 16:58 Uhr

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