Sag du's!

Sie will gehen und er verpasst seinen Einsatz.

Steven Schneider: Auf dem Weg zu guten Freunden, die zum Brunch einladen, hebt Schreiber plötzlich an: «Du, wir sollten spätestens um halb drei am Nachmittag wieder daheim sein. Wir müssen unbedingt noch ein paar Sachen erledigen, sonst haben wir nächste Woche Stress.»
Hm.
Sie redet weiter: «Aber ich will, dass du das sagst, weil sonst immer ich die bin, die früh gehen will, und das nervt mich, weil ich eigentlich ja gar nicht will, sondern muss, weil wir noch so viel zu tun haben. Verstehst du?»
Nein.
Sie ist nicht zu bremsen: «Es wäre prima, wenn du um halb zwei von selbst auf die Idee kommst und sagst, wir sollten jetzt mal ... Für mich ist es doof, wenn immer ich die Erste bin, die das sagt, und du sagst das ja nie.»
Klar.
Bevor ich nur auf die Idee kommen könnte, eine Einladung ausklingen zu lassen, hat sie schon zehnmal mitgeteilt, dass wir nun wirklich los müssen. Dabei gibt es doch nichts Schöneres, als mit Freunden zu verhocken, zu essen und die Zeit zu vergessen. Sonntag halt.
Da sagt sie: «Also: Heute kommt der erste Impuls zum Aufbruch von dir!»
Mein einziger Impuls ist, nicht schon an Aufbruch zu denken, bevor wir überhaupt erst mal angekommen sind ...

Sybil Schreiber: Viertel nach zwei, der Brunch ist bereits fast verdaut und was macht Schneider? Hält sich nicht die Bohne an unsere Abmachung und schaut stattdessen mit seinem Freund ein Formel-1-Rennen, statt für Aufbruchstimmung zu sorgen und Richtung Türe zu steuern.
Dabei hatten wir das ausführlich besprochen, denn mir stinkt es, immer die Spielverderberin zu sein. Abgesehen davon, hatte auch Schneider am Morgen noch gesagt, dass wir die Ferienwohnungen im Hirschli für unsere neuen Gäste parat machen und ausserdem einen Text dringend fertig schreiben müssen.
Es gibt also einiges zu tun.
Ich setze mich zu ihm aufs Sofa und schau ihn intensiv an. Er lächelt kurz zurück.
Ich schau noch intensiver.
Er lächelt wieder und streichelt meine Hand.
Mannomann, wo bleibt sein Einsatz? Hat er seinen Text vergessen?
Ich räuspere mich.
Keine Reaktion.
Und während ich so neben ihm auf dem Sofa sitze, die anderen plaudern, unsere Freundin Kuchen anschneidet, die Kinder am Boden liegen und Bilder malen, merke ich, dass ich viel lieber hier gemütlich herumlümmeln würde, statt zu arbeiten ...
«So, jetzt müssen wir aber wirklich», ruft Schneider laut und steht abrupt auf.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 14.05.2012, 11:31 Uhr

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